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Drachen

Herbst - das ist die Zeit von Halloween, die Zeit der Geister und Gespenster! Aber es ist auch die Zeit, in der sich die Blätter bunt färben. Es ist die Zeit, in der nach den langen Sommerferien die Schule wieder anfängt. Und es ist die Zeit, in der die Kinder bei windigem Herbstwetter gern einen Drachen steigen lassen. In diesem Special, das zu Halloween 2023 bei Kibo.FM erstausgestrahlt wurde, erfahren wir alles über Drachen - seien es die Kinderspielzeuge aus Papier oder auch die schuppigen Ungeheuer!

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Drachen - Eine Einführung

Die Drachen, die die Kinder im Herbst steigen lassen, sind meist aus Papier oder auch als dünnem Plastik. Um ihn in die Luft zu kriegen, bindet man ihn an eine Schnur und läuft dann, so schnell man kann, wobei man den Drachen hinter sich herzieht. Dadurch, dass die Luft unter den Drachen greift, erhebt er sich nach oben - das ist vereinfacht gesagt die gleiche Technik, mit der auch Flugzeuge fliegen können. Warum heißen diese Papier-Spielzeuge aber genauso, wie diese großen schuppigen feuerspuckenden Ungeheuer?

Seinen Ursprung hat der Papierdrache im 5. Jahrhundert in China - ganz ursprünglich war er sogar aus Seide, das Papier setzte sich erst später durch, weil Seide den meisten Menschen zu teuer war. Im Gegensatz zu unseren europäischen Drachen, die oft ein wenig an Dinosaurier erinnern, sind asiatische Drachen eher schlangenartig. Solche traditionellen asiatischen Drachen werden bis heute gern bei großen Festen in China, Japan und anderen ostasiatischen Ländern eingesetzt. Im Gegensatz zu den europäischen Drachen, fliegen sie allerdings nicht am Himmel, sondern werden an dünnen Stäben manuell knapp über Kopfhöhe gehalten.

Davon erstmal ganz unabhängig, ließen bereits die alten Römer auf ihren Festen bunt verzierte Windsäcke fliegen. Erst Jahrhunderte später - genauer im 16. Jahrhundert - kamen die asiatischen Drachen nach Europa: Durch Händler, die Verbindungen nach Asien hatten! Daraus entwickelte sich dann in relativ kurzer Zeit der heute bekannte Papierdrachen als Kinderspielzeug.

Es gibt aber auch noch weitere Verwendungsmöglichkeiten für Drachen. Ist der Drache ausreichend groß, kann man nämlich sogar als Mensch mitfliegen: Drachenfliegen ist eine beliebte Sportart, zu der es auch Wettbewerbe gibt. Außerdem können Drachen auch zur Warenlieferung und sogar im Krieg eingesetzt werden.

 

Foto von mir mit Papierdrachen

Vergangene Zeiten: Ich anno 2001 mit einem selbst gebastelten Papierdrachen - mit Pokémon-Motiv!

Foto von chinesischen Long-Drachen

Fernöstliche Kultur: Darstellung asiatischer Long-Drachen in einem Tempel in Beijing

 

Die chinesischen Papierdrachen, mit denen im 5. Jahrhundert alles anfing, basierten ganz klar auf tatsächlichen mythologischen Drachen aus Asien. Wie gesagt, sind sie im Gegensatz zu den europäischen Drachen eher schlangenartig. Der korrekte Name für einen asiatischen Drachen ist auch gar nicht Drache, sondern Long. Das ist das chinesische Wort for "Drache" und kommt beispielsweise auch im Namen Shen-Long aus Dragon Ball vor, einem der bekanntesten Anime-Drachen. Das chinesische Wort "long" für "Drache" hat auch nichts zu tun mit dem englischen Wort "long" für "lang" - dass ein Long tatsächlich länglich ist, ist reiner Zufall.

Im Gegensatz zu den europäischen Drachen, die meist wütend und zerstörerisch dargestellt werden, sehen die Asiaten in ihren Longs Gottheiten. Der Ursprung reicht zurück bis ins Jahr 4700 vor Christus: Aus dieser Zeit fand man Abbildungen von schlangenähnlichen Wesen mit Schweinekopf - höchstwahrscheinlich Darstellungen der ersten Longs. Die Chinesen unterscheiden zwischen Feuerdrachen und Wasserdrachen, und bis heute beten sie - vor allem in ländlichen Regionen - zu ihren lokalen Drachen, um beispielsweise Regen für eine gute Ernte zu erbitten.

Allerdings sind dann doch nicht alle Longs freundlich und hilfsbereit: Man erzählt sich auch Legenden vom Schwarzen Drachen, der Stürme heraufbeschwört. Und ... April, April: Es sind auch gar nicht alle Longs schlangenartig! In China kennt man das Sprichwort "Der Drache hat neun Söhne, jeder von ihnen ist verschieden". So kann ein Drache dann auch durchaus mal wie ein Löwe oder eine Schildkröte aussehen.

Auch in Europa entwickelte sich ein Drachenmythos. Bereits im Neuen Testament der Bibel - genauer in der Offenbarung des Johannes - kommt ein Drache als siebenköpfige Schlange vor, wird dabei allerdings mit dem Teufel gleichgesetzt. Er wird von Erzengel Michael im Kampf besiegt und hochkant aus dem Himmel geworfen.

Scan aus dem Nibelungenlied
Drachentöter: Zeichnung von Siegfried im Kampf gegen den Drachen • Quelle: Bild aus dem Volksbuch vom gehörnten Siegfried, Leipzig 1838, Verlag O. Wiegand, S. 169, gescannt von MichelKat, Lizenz: Creative Commons BY-SA 4.0

Im Mittelalter nahmen die europäischen Drachen dann eher die Form von Dinosauriern an, jedoch oft mit Flügeln und mit der Fähigkeit, Feuer zu spucken. Woher diese Form kommt, darüber rätselt die Wissenschaft bis heute. Es ist durchaus möglich, dass man bereits im Mittelalter durch reinen Zufall einzelne Dinosaurier-Skelette gefunden hat, das würde jedoch nicht ansatzweise ausreichen, um den Drachen-Mythos daraus entstehen zu lassen. Eine andere Erklärung ist der Komodowaran: Er ist das lebende Tier, das am nähesten an die europäischen Drachendarstellungen herankommt - seine spitze Zunge, mit der er gern züngelt wie eine Schlange, könnte sogar eine Erklärung für das angebliche Feuerspucken sein, da sie tatsächlich wie eine kleine Flamme aussieht. Allerdings kommt der Komodowaran wild nur in Indonesien vor, die Menschen im Mittelalter können ihn also eigentlich gar nicht gekannt haben. Das Rätsel ist bisher nicht gelöst, aber kurioserweise muss noch angemerkt werden, dass man Anfang des 20. Jahrhunderts ernsthaft nach überlebenden Dinosauriern gesucht hat, um damit die mittelalterlichen Drachen zu erklären. Angefeuert wurde dieser Forscherdrang durch den Roman Die vergessene Welt, den Sherlock Holmes-Autor Sir Arthur Conan Doyle 1912 veröffentlichte: Darin entdecken einige Abenteurer ein Plateau, auf dem Dinosaurier und andere urzeitliche Tiere überlebt haben. Der Roman ist aber natürlich reine Fiktion.

Aber Ursprung hin oder her: Drachen bevölkern die Sagen und Legenden aus vielen europäischen Ländern! Sehr bekannt ist vor allem das Nibelungenlied: Held Siegfried tötet einen Drachen und badet in dessen Blut, wodurch er unverwundbar wird. Blöderweise fällt jedoch ein Blatt auf seine Schulter, so dass diese kleine Stelle nicht von Drachenblut berührt wird und verwundbar bleibt. Und ja, natürlich war genau dieser Siegfried Jahrhunderte später die Vorlage für Pokémon-Meister Siegfried mit seinen Drachen-Pokémon.


Drachen in Anime und Manga

In Filmen und Serien, in Videogames und natürlich auch in Anime und Manga treten unzählige Drachen auf. Manchmal werden sie sehr traditionell dargestellt, manchmal haben sie ein ganz individuelles Aussehen. Die Masse an fiktiven Drachen ist so groß, dass wir in diesem Special unmöglich alle vorstellen können, sondern nur eine ganz kleine Auswahl treffen mussten. Den Anfang machen wir bei Anime und Manga.

Apropos Anfang: Wahrscheinlich der erste Anime, den ich damals als Kind genossen habe, war Alice im Wunderland - auch, wenn ich damals natürlich noch nicht wusste, dass das ein Anime ist bzw. was überhaupt ein Anime ist! Die Alice im Wunderland-Anime-Serie wurde 1983 produziert, besteht aus 52 Episoden und basiert lose auf dem gleichnamigen englischen Kinderbuch von Lewis Carroll. Als einen der verrückten Wunderland-Bewohner gibt es auch den Drachen Jabberwocky, der ein finsteres Schloss am Rande eines dunklen Waldes bewohnt. Alle anderen Wunderland-Bewohner fürchten den Jabberwocky, da er sehr wütend werden kann, wenn er sich gestört fühlt, und vermeiden es sogar, sich überhaupt nur dem Schloss zu nähern. Auch Alice selbst ist immer froh, wenn sie nichts mit dem Jabberwocky zu tun haben muss, aber in manchen Folgen lässt sich das nun einmal nicht vermeiden.

 

Sceenshot aus Alice im Wunderland

Mein erster Anime: Alice im Wunderland bekommt es auch mal mit dem Drachen Jabberwocky zu tun

Screenshot aus Dragon Ball

Der wahrscheinlich bekannteste Anime-Drache: Shen-Long wird durch die sieben Dragon Balls beschworen

 

Der wahrscheinlich bekannteste Anime-Drache ist Shen-Long aus Dragon Ball - da steckt der Drache ja bereits im Serientitel! Es gibt sieben sogenannte Dragon Balls: Sie sind etwa so groß wie Kokosnüsse, aber orange, und auf jedem ist eine andere Anzahl an roten Sternen zu sehen. Wenn es gelingt, alle sieben Dragon Balls zu sammeln, dann kann man den Drachen Shen-Long rufen, der einen Wunsch erfüllt - egal, was es ist! Die Dragon Balls werden danach allerdings wieder in alle Winde verstreut und müssen erneut gesucht werden, wenn man einen weiteren Wunsch haben will.

Dragon Ball war seinerzeit einer der ersten Anime bei RTL 2, die Erstausstrahlung begann am 30. August 1999. Rund ein Jahr später, am 14. August 2000, startete eine andere Anime-Serie, die genau wie Dragon Ball noch heute Kultstatus hat: Digimon Adventure! Die titelgebenden Digimon sind kleine digitale Monster, die alle möglichen Erscheinungsformen haben. So gibt es natürlich auch das ein oder andere Digimon, das mehr oder weniger offensichtlich von Drachen inspiriert ist. Die meisten dieser Drachen-Digimon erkennt man - unabhängig vom Aussehen - an der Silbe "dra" in ihrem Namen. Der erste Drache, den die Kinder in der Serie treffen, ist Seadramon, ein Seedrachenmonster, in der 3. Folge: Die Kinder übernachten an einem See, aber Tai weckt versehentlich Seadramon auf, indem er auf seine Schweifspitze tritt. Seadramon ist darüber gar nicht erfreut, doch Matt und sein Garurumon können das Ungeheuer schließlich besiegen. Eine Episode später digitiert dann Soras Partner Biyomon erstmals zu Birdramon, also einem Vogeldrachenmonster.

 

Sceenshot aus Digimon

Seedrachenmonster: Seadramon ist das erste Drachen-Digimon, das sich den Kindern entgegen stellt

Screenshot aus Yu-Gi-Oh!

D-d-d-du bist dran: Kaiba beschwört seine drei Blauäugigen Weißen Drachen

 

Drachenmonster gibt es neben Digimon natürlich auch in Yu-Gi-Oh!. Am bekanntesten ist wahrscheinlich der Blauäugige Weiße Drache, die Signaturkarte von Seto Kaiba. Laut der Serie gibt es nur noch vier dieser Karten: Drei davon besitzt Kaiba, die vierte gehört Yugis Großvater. Kaiba schwatzt Yugi die Karte ab, nur um sie zu zerreißen - so sind seine drei Exemplare die einzigen verbleibenden. Yugi kann diese Gemeinheit allerdings nicht auf sich sitzen lassen, und so fordert er Kaiba zu einem Duell heraus, das dieser niemals vergessen wird!

Eine andere Yu-Gi-Oh!-Drachenkarte ist der Schwarze Rotaugen-Drachen, die Signaturkarte von Yugis bestem Freund Joey Wheeler - die Karte ist quasi das Gegenstück zum Blauäugigen Weißen Drachen, jedoch nicht ganz so berühmt. Und auch eine der drei legendären Ägyptischen Götterkarten ist ein Drache: Slifer der Himmelsdrache!

Aber apropos "nicht ganz so berühmt": Ein Manga, den ich früher ganz gern gelesen habe, den aber gefühlt niemand kennt, ist Lindbergh. Der Manga erschien ab 2009 in insgesamt acht Bänden und erzählt von dem jungen Knit, der als Haustier einen kleinen Drachen namens Plamo hat. Das Land, in dem Knit und Plamo leben, ist von steilen Bergen umgeben - die einzige Möglichkeit, herauszukommen, wäre Fliegen, aber das ist hier streng verboten: Der böse König will nicht, dass jemand das Land verlässt, damit er seine Bürger weiter ausbeuten kann. Eines Tages stürzt ein Drachenflieger von außerhalb über dem Land ab, und von ihm erfährt Knit die Wahrheit: Bei Drachen, wie Plamo einer ist, handelt es sich um so genannte Lindberghs, und sie sind die Zugtiere für Flugmaschinen. Knit beschließt daraufhin entgegen aller Verbote, eine eigene Flugmaschine zu bauen, in der Plamo ihn über die Berge tragen kann, damit er einmal die Welt außerhalb sehen kann. Übrigens: Benannt sind die Lindbergh-Drachen natürlich nach Charles Lindbergh, einem Flug-Pionier, dem 1927 der erste Non-Stop-Flug über den Atlantik von New York nach Paris gelang.

Screenshot aus Chihiros Reise in Zauberland
Geheimnisvoller weißer Drache: Welche Rolle er bei Chihiros Reise in Zauberland spielt, möchte ich euch lieber nicht spoilern! 😊

Leider gibt es Lindbergh nicht als Anime-Serie - aber natürlich gibt es Drachen nicht nur in Serien, sondern auch in Filmen! Ein sehr prominentes Beispiel ist Chihiros Reise ins Zauberland von Großmeister Hayao Miyazaki aus dem Jahr 2001. Es ist bis heute der einzige Anime, der sogar den Oscar als bester animierter Spielfilm gewinnen konnte. Die Geschichte handelt von der 10-jährigen Chihiro, die mit ihrer Familie in ein neues Zuhause umzieht. Bei der ersten Fahrt zum neuen Haus verfährt sich der Vater aber, und so landen sie an einem verlassenen Vergnügungspark - denken sie zumindest! Unerlaubt schlagen sich die Eltern an einem Stand mit Essen den Wanst voll, doch der vermeintliche Vergnügungspark ist in Wahrheit ein Badehaus für Götter, und als Strafe für ihre Völlerei werden die Eltern in Schweine verwandelt. Chihiro erhält jedoch eine Chance, ihre Eltern zu retten - bis sie diese Chance findet, soll sie als Aushilfe in dem Badehaus arbeiten. Der Film ist absolut sehenswert, aber was ein Drache mit der Geschichte zu tun hat, würde leider das Ende spoilern. Deshalb müsst ihr uns an dieser Stelle einfach vertrauen, dass ein Drache vorkommt - Details dazu können wir euch nämlich nicht verraten!

Ein anderer Studio-Ghibli-Film mit Drachen ist Die Chroniken von Erdsee: Er kam 2006 heraus und war die erste Regie-Arbeit von Hayao Miyazakis Sohn Goro Miyazaki. Der junge Magier Sperber beobachtet einen Kampf zweier Drachen und erkennt dadurch, dass böse Mächte in Erdsee eingedrungen sind. Im Lauf der Zeit findet Sperber heraus, was geschehen ist und wer dafür verantwortlich ist, und dann liegt es an ihm, alles wieder in Ordnung zu bringen.

Zuletzt ist abseits von Anime und Manga auch ein Kaiju aus den japanischen Monsterfilmen ein Drache: King Ghidorah! Der dreiköpfige Drache hat seinen ersten Auftritt in dem 1964 erschienenen Film Frankensteins Monster im Kampf gegen King Ghidorah. Darin kommt der dreiköpfige Drache Ghidorah aus dem Weltall auf die Erde und wütet direkt drauf los: Binnen Sekunden macht er ganz Tokyo dem Erdboden gleich! Die anderen Kaiju, darunter auch Godzilla und Mothra, verbünden sich, um King Ghidorah zu besiegen und die Erde zu retten - denn anders als King Ghidorah, sind die anderen Kaiju nicht einfach böse, sondern handeln oft nur aus Instinkt oder Angst so zerstörerisch. Mit vereinten Kräften können sie schließlich King Ghidorah zurück ins Weltall befördern. Und was die ganze Sache mit Frankensteins Monster zu tun hat, durchschaut keiner, denn das kommt im Film überhaupt nicht vor, sondern wurde nur von der deutschen Synchro mit in den Titel gedichtet!


Drachen in Videogames

Anime und Manga kommen bekanntlich aus Japan, und auch Videogames haben oft japanische Wurzeln. Freilich gibt es auch Drachen in verschiedenen Spielen - auch dazu bieten wir euch eine kleine Auswahl, die weit von Vollständigkeit entfernt ist!

Die ersten Drachen, die uns eingefallen sind, sind die Drachen-Pokémon. Drache ist nämlich einer der 18 Pokémon-Typen, aber es gab die Drachen auch bereits zu Zeiten der ersten Generation, als es nur 15 Typen gab. Damals, in der ersten Generation, als nur 151 Pokémon existierten, gab es auch nur eine einzige Drachen-Evolutionsreihe mit drei Pokémon: Dratini, Dragonir und Dragoran. Dratini ist eine niedliche blaue Wasserschlange, die ihr in der Safari-Zone selten angeln könnt. Als Dragonir ist die Wasserschlange etwas gewachsen und kann nun auch aus dem Wasser hinauf in die Lüfte schweben, wenn man dem Anime glauben möchte. Die Endstufe Dragoran wechselt die Farbe von Blau zu Orange und ist auch keine Schlange mehr, sondern ein ordentlicher Drache mit kleinen Flügeln auf dem Rücken.

Das Anime-Debüt von Dratini und Dragonir konnte man leider in Europa niemals regulär sehen: Die 35. Episode The Legend of Dratini spielt in der Safari-Zone und handelt davon, dass Ash, Misty und Rocko dort eben ein Dratini finden. Der Wärter der Safari-Zone war früher mit diesem Dratini befreundet, hat es aber seit Jahren nicht mehr gesehen und ist deshalb verbittert - und genau das ist das Problem der Episode! Aufgrund seines Hasses ist der Wärter nämlich auch sehr schießwütig und richtet die Waffen sogar auf die Kinder. Deswegen wurde die Episode nicht in die USA übernommen und kam so auch nicht zu uns nach Europa. Es gibt allerdings eine englische Synchro für die englischsprachigen Staaten von Asien.

 

Sceenshot aus Pokémon Rot & Blau

Ich werde Pokémon-Meister: Als letzter Gegner stellt sich euch Siegfried mit seinen Drachen-Pokémon in den Weg

Screenshot aus New Pokémon Snap

An apple a day: Auch das süße kleine Apfel-Pokémon Knapfel ist ein Drache!

 

Wie gesagt, waren Dratini, Dragonir und Dragoran die einzigen drei Drachen der ersten Generation. Es gibt aber noch zwei weitere Kanto-Pokémon, die zwar sehr nach Drachen aussehen, nur halt keine sind: Feuer-Starter Glumanda wird in seiner Endstufe zu Glurak, einem wahnsinnig beliebten Feuerdrachen. Und der schwächliche Fisch Karpador entwickelt sich zu Garados, einem mächtigen Wasser-Drachen im asiatischen Stil. Beide Pokémon haben aber, obwohl sie optisch stark an Drachen erinnern, trotzdem nicht den Drachen-Typ.

Nichtsdestotrotz kamen im Lauf der Generationen zahlreiche weitere Drache-Pokémon hinzu, so dass es bis heute insgesamt 75 Drachen gibt - das letzte von ihnen kommt erst in den nächsten Wochen im 2. Teil des DLC Der Schatz von Zone Null für Pokémon Karmesin & Purpur ins Spiel: Furienblitz, ein Paradox-Pokémon, das ein wenig an Raikou erinnert, aber einen Giraffenhals hat. Es ist vom Typ Elektro/Drache.

Die ersten legendären Drachen-Pokémon folgten ab der dritten Generation: Die beiden Geschwister Latias und Latios, zwei schöne weiße Flugdrachen, sowie Rayquaza, ein grünes Schlangenmonster, das möglicherweise auf der mexikanischen Mythengestalt Coatl basiert. Am ehesten wie ein klassischer europäischer Märchen-Drache sieht Brutalanda aus, das ebenfalls in der dritten Generation debütierte. Inzwischen ist der Fundus an Drachen-Pokémon aber so groß, dass mitunter sogar Äpfel zu Drachen werden: Wir sprechen von Knapfel aus der 8. Generation!

Neben Pokémon ein weiteres sehr wichtiges Nintendo-Franchise ist natürlich Super Mario. Die Charaktere, die man dabei als Drachen vermuten würde, sind allerdings gar keine: Der niedliche Yoshi wird zwar manchmal als Drache bezeichnet, ist aber in Wirklichkeit ein Dinosaurier, genauer ein Krötosaurus Rex (laut dem alten Super Mario World-Lösungsbuch) bzw. ein Therapoda Yoshisaur Munchakoopas (laut dem heutigen offiziellen Kanon). Auch Bowser wurde früher manchmal als Drache bezeichnet, ist aber in Wirklichkeit eine ganz normale Schildkröte ... naja, sooo normal vielleicht nicht, aber eine Schildkröte trotzdem!

Screenshot aus Super Mario Odyssey
Drachenstarker Bosskampf: Zappodrac ist gigantisch und für ein Mario-Spiel einfach nur episch!

Es gibt dann aber doch einen Drachen im Super Mario-Universum, und der sieht so gar nicht Mario-typisch aus, sondern richtig realistisch und einfach episch! Die Rede ist von Zappodrac, den ihr in Super Mario Odyssey kennenlernt. Zum ersten Mal macht ihr die Bekanntschaft von Zappodrac, als Bowser auf ihm reitend euer Flugschiff, die Odyssey, angreift. Daraufhin stürzt ihr im Ruinenland ab, wo der Drache euch zum Kampf erwartet. Nach Ende des Kampfes bleibt Zappodrac dann auch auf der Kampffläche liegen und will sich einfach nur noch ausruhen, ihr könnt euch aber noch ein wenig mit ihm unterhalten. Besonders episch ist Zappodrac deshalb, weil er nicht nur so realistisch aussieht, sondern auch, weil er so gigantisch groß ist: Ein einziger Fingernagel von Zappodrac ist schon größer als der ganze Mario!

Auch in der Metroid-Reihe existiert ein Drache, nämlich Ridley - er ist quasi das für Samus, was Bowser für Mario ist, nämlich ein absoluter Erzfeind! Der Drache Ridley ist der Anführer einer Bande von Raumpiraten, die damals Samus' Eltern getötet haben, als Samus erst drei Jahre alt war. Seitdem hat Samus Ridley ewigen Hass geschworen und ihn bereits in mehreren Metroid-Spielen bekämpft.

Kämpfen kann Ridley auch in der Super Smash Bros.-Reihe: Bereits in Super Smash Bros. Brawl auf der Wii tritt Ridley als Zwischenboss im Story-Modus, dem so genannten Subraum-Emissär, auf. In Super Smash Bros. für Wii U erscheint Ridley dann auch während ganz normalen Kämpfen auf den Metroid-Stages - und hat die Besonderheit, dass er irgendwann auf die Seite des Spielers wechselt, der ihm am meisten Schaden zugefügt hat. Dieser Spieler kann dann - zusätzlich zur eigenen Spielfigur - auch Ridley kontrollieren und so den anderen Spielern ordentlich einheizen. Im aktuellen Super Smash Bros. Ultimate auf der Switch wurde Ridley schließlich als ganz normaler spielbarer Kämpfer hinzugefügt.

Während Ridley eindeutig auf der bösen Seite steht und auch Zappodrac jetzt nicht unbedingt Marios bester Freund ist, gibt es dann aber doch ein paar Spiele, die einen freundlichen Drachen als Hauptfigur haben. Das prominenteste Beispiel hierfür dürfte Spyro sein. Der erste Teil wurde von Insomniac Games entwickelt und erschien 1998 exklusiv für die Playstation. Titelheld Spyro ist ein kleiner lila Drache, der alle seine Freunde retten muss, welche in Kristalle verwandelt wurden. Spielerisch ist die ganze Sache ein 3D-Platformer der frühen Sorte. Natürlich wird die Spyro-Reihe auch bis heute fortgesetzt: Nachdem die ersten Teile noch Playstation-exklusiv waren, hat es sich inzwischen auf alle Konsolen ausgeweitet, und so gibt es seit 2018 mit Spyro: Reignited Trilogy auch Remakes der ersten drei Teile u.a. für die Switch. Außerdem ging auch die Skylanders-Reihe aus Spyro hervor: Die Skylanders sind NFC-Figuren, also physische Figuren, die ihr in eure Konsole einlesen könnt, um sie dort auch digital zu erhalten. Spyro selbst ist der allererste Skylander, und die Skylanders waren auch 2011 das erste Spiel, das von der NFC-Technik Gebrauch machte - Jahre bevor Nintendo mit ihren amiibo-Figuren ebenfalls auf den Zug aufsprang!

 

Sceenshot aus Spyro

Freundlicher kleiner Drache: Spyro will seinen Freunden helfen und ist der erste Skylander

Screenshot aus Minecraft

Kantiger Bosskampf: Der Enderdrache ist euer finaler Bossgegner in Minecraft

 

Drachen gibt es freilich auch in allen möglichen Fantasy-RPGs: Es gibt Drachen in The Legend of Zelda, in Final Fantasy, in den Mario-Rollenspielen - ein besonders populärer Vertreter ist aber Alduin aus Skyrim, was besonders an seinem ikonischen Theme-Song liegt, dem Dragonborn Theme. Skyrim zählt zur The Elder Scrolls-Reihe von Bethesda und erschien erstmals 2011 für Playstation 3, Xbox 360 und den PC, wird aber aufgrund der hohen Beliebtheit bis heute immer wieder auf alle neuen Konsolen geportet. Die Geschichte von Skyrim setzt ein, nachdem unerwarteterweise die Drachen wieder in der Provinz Himmelsrand aufgetaucht sind, was die Menschen völlig überrascht hat. Ihr als Spielheld wurdet unschuldig gefangen genommen, könnt aber fliehen, als der Drache Alduin die Festung angreift. Später stellt sich heraus, dass ihr ein so genannter "Dovahkiin" seid, die als einzige etwas gegen die Drachen ausrichten können. So liegt es an euch, die Drachen aufzuhalten und zum Schluss den mächtigsten Drachen Alduin, auch genannt den "Weltenfresser", zu besiegen.

Zum Ende muss schließlich auch noch der Enderdrache erwähnt werden. Er stammt aus Minecraft und ist dort der finale Bossgegner - ja, es gibt Boss Battles in Minecraft. Ihr findet den Enderdrachen passenderweise in einer Dimension, die selbst einfach nur "das Ende" heißt. Dorthin gelangt ihr durch ein Endportal, doch die Schwierigkeit ist, dass ihr das Endportal im Gegensatz zu Netherportalen nicht einfach selbst bauen könnt, sondern es zufällig finden müsst - meistens befindet es sich in einer Festung! Das Ende selbst besteht aus zahlreichen fliegenden Inseln im schwarzen Nichts, und hier zieht auch der schwarze, kantige Enderdrache seine Runden, den es nun zu besiegen gilt. Die Schwierigkeit dabei ist, dass der Enderdrache die meiste Zeit in unerreichbarer Höhe über euch fliegt, euch von dort aber mit Feuer bespuckt und dann irgendwann ganz unvermittelt zum Sturzflug ansetzt, um euch von der Insel zu rammen. Habt ihr den Enderdrachen aber besiegt, dann öffnet sich ein Portal, das euch zurück in die normale Oberwelt bringt, und wenn ihr dieses Portal durchschreitet, dann läuft der Abspann über den Bildschirm - so gesehen ist der Enderdrache also tatsächlich der Endboss eines Spiels, das eigentlich gar kein Ende hat.


Drachen bei Disney

Die Walt Disney Company feiert derzeit ein rundes Jubiläum: Das Unternehmen wurde am 16. Oktober 1923 gegründet und feiert seinen Geburtstag aktuell mit zahlreichen speziellen Jubiläums-Filmen, -Comics und -Events. Auch wir auf Kibo.FM feiern mit, denn es gab ja den ganzen Oktober über die großen Disney-Charts. Ja, und natürlich gibt es auch einige Drachen in verschiedenen Disney-Produktionen!

Der erste Disney-Drache, der mir eingefallen ist, ist Maleficent (im Deutschen: Malefiz). Sie tritt erstmals in dem Zeichentrickfilm Dornröschen auf - damals zunächst noch nicht als Drache, sondern als Fee. Der Film basiert auf dem gleichnamigen klassischen Märchen der Brüder Grimm. Das Königspaar freut sich über die Geburt ihrer Tochter Aurora und lädt zur Feier des Tages gefühlt das ganze Königreich ein - nur nicht die Fee Maleficent, die daraufhin stocksauer ist und einen Fluch ausspricht: Aurora soll sich an einer Spindel stechen und dadurch in einen ewigen Schlaf fallen, und mit ihr das gesamte Königreich. Dann kommt aber ein Prinz, küsst Aurora wach und bricht so den Fluch - jedenfalls im Original-Märchen! Der Disney-Film geht freilich auch gut aus, dort stellt sich aber noch Maleficent dem Prinzen in den Weg, um ihn aufzuhalten, und bei dieser Gelegenheit verwandelt sie sich in einen Drachen.

Jahrzehnte später, nämlich 2014, kam übrigens eine neue Realfilm-Interpretation von Dornröschen ins Kino: Der Film Maleficent - Die dunkle Fee erzählt die ganze Geschichte aus der Sicht von Maleficent und deckt auf, was ihre wahren Beweggründe sind.

 

Sceenshot aus Dornröschen

Dornröschen mit Drachen: Bei Disney verwandelt sich die böse Fee am Ende in einen Feuerspucker

Screenshot aus Elliot, das Schmunzelmonster

Drachenstarke Freundschaft: Der 9-jährige Pete und sein Schmunzelmonster Elliot

 

Ein anderer berühmter Disney-Drache stammt aus einem Realfilm, ist aber trotzdem eine Zeichentrickfigur. Der Drache heißt Elliot und ist genau genommen ein Schmunzelmonster - zu sehen in dem Film Elliot, das Schmunzelmonster aus dem Jahr 1977. Anfang des 20. Jahrhunderts lebt der 9-jährige Pete auf einer Farm, wo er viel arbeiten muss und es ihm generell schlecht geht. Eines Tages trifft Pete zufällig das besagte Schmunzelmonster Elliot. Die beiden freunden sich an, und die Spezialität von Elliot ist, dass er sich unsichtbar machen kann - nur für Pete zeigt er sich dann doch immer wieder mal. Am Anfang spielt Elliot einige Streiche, doch später entwickelt Pete den Plan, mit Elliots Hilfe von der Farm zu fliehen und ein besseres Leben zu finden. Ein zeitgemäßes Remake gab es 2016 unter dem Titel Elliot, der Drache.

Bei vielen Disney-Filmen ist es Tradition, dass der Titelheld irgendein kleines Tier an seiner Seite hat, das zwar keine Hauptrolle spielt, ihn aber ständig begleitet, für so manchen guten Gag da ist, aber auch seine heldenhaften Momente hat. Im Falle von Mulan ist das der kleine rote Drache Mushu, der in der deutschen Synchro übrigens von Otto Waalkes gesprochen wird. Aber beginnen wir am Anfang: Mulan kam 1998 ins Kino und basiert frei auf der chinesischen Ballade Hua Mulan. Ein Angriff der Hunnen steht bevor, und zur Verteidigung soll aus jeder Familie ein Junge in den Krieg ziehen, um das Land zu schützen. In Mulans Familie gibt es jedoch nur sie, aber keinen Jungen, deswegen wird ersatzweise Mulans Vater selbst einberufen. Der Vater ist krank und Mulan hat Mitleid mit ihm, deshalb lässt sie sich - entgegen des Willens ihres Vaters - an seiner Stelle zum Kriegsdienst einberufen. Die Familiengeister beraten, wie man Mulan aufhalten kann, doch der kleine Drache Mushu - selbst einer der Familiengeister - eilt ihr hinterher: Nicht mit dem Ziel, sie zurückzuholen, sondern mit dem Gedanken, sie zu einer Kriegerin auszubilden. So wird aus Mulan letztendlich eine kriegsentscheidene Schlüsselfigur. Mushu gibt es allerdings nur im Disney-Zeichentrickfilm. In der chinesischen Original-Legende kommt er nicht vor - und auch nicht im Realfilm-Remake von 2020.

Der Animationsfilm Raya und der letzte Drache hat noch kein Remake bekommen, denn der Film ist selbst noch sehr neu, er kam erst 2021 heraus. Im Gegensatz zu Mulan, welches im realen China spielt, ist der Handlungsort von Raya und der letzte Drache rein fiktiv: Das Land Kumandra. Früher gab es dort auch Drachen, diese sind nun allerdings in Edelsteinen gefangen. Kumandra ist in fünf verschiedene Gebiete aufgeteilt, die untereinander verfeindet sind. Bei einem Kampf wird ein Zauber ausgelöst, der das gesamte Land mit allen Bewohnern versteinert - nur Raya entkommt als einzige. Jahre später sucht Raya, inzwischen schon erwachsen, den letzten Drachen, mit dessen Hilfe sie den Fluch brechen will, und trifft tatsächlich den Wasserdrachen Sisu.

 

Sceenshot aus American Dragon

Jake Long ist ein ganz normaler Teenager - so lange er sich nicht in den American Dragon verwandelt!

Screenshot aus Duck Tales

Goldig: Pixiu besteht nicht nur selbst aus Gold, sondern frisst auch nichts anderes

 

Disney-Drachen gibt es allerdings nicht nur im Filmformat, sondern auch in Serien, und in einer Serie spielt der Drache sogar die Hauptrolle: American Dragon, erstausgestrahlt von 2005 bis 2007 in 52 Episoden. Hauptfigur ist eigentlich der 13-jährige Teenager Jake Long, der weitgehend ein normales Teenager-Leben führt, mit einem Unterschied: Er kann sich in einen Drachen verwandeln! Fast jedes Land der Welt hat einen Drachen als Schutzpatron, und Jake ist eben der Drache für die USA. Bevor Jake seine Aufgabe annehmen kann, muss er aber erst von seinem Großvater die geheimen Drachenkünste erlernen - nichtsdestotrotz rettet er bereits jetzt oft genug die Welt, und muss sich außerdem selbst gegen den Jäger-Clan schützen, die alle magischen Kreaturen ausrotten wollen.

In anderen Serien tauchen Drachen nur in einzelnen Episoden auf, sind aber keine Hauptfiguren über die ganze Serie hinweg. Die Gummibärenbande beispielsweise spielt in einem mittelalterlichen Fantasy-Reich, daher ist dort das Vorhandensein von Drachen überhaupt kein Wunder. In der Folge Die magische Flöte findet der junge Gummibär Cubbi eine Flöte, mit deren Hilfe er einen Wasserdrachen beherrschen kann. Cubbi hat Spaß daran und liebt es, mit seinem Wasserdrachen zu spielen, doch dann gerät die Flöte dummerweise in die Finger von Herzog Igzorn, und der hat mit dem Drachen sicher nichts Gutes vor! Das Bild, wie der Drache sich aus dem See erhebt, ist übrigens sogar im Intro der Serie zu sehen.

Auch im Opening der neuen Duck Tales-Serie von 2017 sieht man einen Drachen, einen goldenen Drachen! Er heißt Pixiu, sieht wie ein asiatischer Long aus und ist in einer Statue eingesperrt - bis Tick, Trick und Track ihn beim Spielen im Trophäenraum versehentlich befreien! Daraufhin macht sich Pixiu auf den Weg zu Onkel Dagoberts Geldspeicher, denn das Problem ist: Pixiu ist ein Golddrache, das heißt er frisst Gold, und die größten Goldvorräte Entenhausens gibt es eben im Geldspeicher! Nun liegt es an Dagobert und den Kindern, Pixiu aufzuhalten, bevor Dagoberts ganzes Vermögen verputzt ist.


Weitere Drachen

Neben Anime, Videogames und Disney-Filmen, gibt es Drachen auch in vielen, vielen, sehr vielen "normalen" Filmen und Serien - und auch dazu schlumpfen wir euch einen kleinen Überblick!

Schlumpfen? Richtig, denn Drachen gibt's auch im Schlumpfenland - kein Wunder, spielt doch auch diese Serie in einem mittelalterlichen Fantasy-Setting! Der wichtigste Drache aus der Serie heißt Fafnir und taucht bereits in der Vorgängerserie Johann und Pfiffikus auf - in der Geschichte Im verwünschten Land, in der auch die Schlümpfe eine sehr große Rolle schlumpfen. Ein Schlumpf hat sich bis ins Menschenreich durchgeschlagen, um bei Johann und Pfiffikus, zwei Freunden der Schlümpfe, Hilfe zu erbitten. Ein Gauner namens Monulf ist nämlich ins Schlumpfenland eingefallen und zwingt die Schlümpfe zur Arbeit in der Diamantenmine - und als unterstreichendes Argument für seine Befehle hat er einen feuerspuckenden Drachen namens Fafnir! Geführt von dem Schlumpf, brechen Johann und Pfiffikus auf ins Schlumpfenland, um Monulf und seinen Drachen zum Kampf zu stellen. Dass sich auch der König persönlich aus purer Abenteuerlust der Truppe anschließt, macht die Sache nicht gerade einfacher! Einen weiteren Auftritt hat Fafnir, dessen Feuer inzwischen erloschen ist, Jahrzehnte später in der Schlumpf-Geschichte Der Drache vom See.

Die Schlümpfe waren als Kind meine absolute Lieblingsserie - ach, was heißt "als Kind", ich liebe sie ja auch heute noch! Es gibt aber auch noch andere Kinder-Zeichentrickserien mit Drachen - da ist beispielsweise Grisu ein ganz großer Klassiker! Grisu stammt aus Italien und aus den 70er Jahren. Er ist ein Drachenkind und hat einen großen Berufswunsch: Feuerwehrmann! Das passt natürlich so gar nicht zu einem feuerspuckenden Drachen, und entsprechend enttäuscht ist auch Grisus Vater von seinem Sohn. Aus diesem Grundsetting entstehen dann insgesamt 52 witzige Geschichten.

Wissenswertes Fun Fact:

Die Antwortmöglichkeit "Feuerwehrmann" auf die Frage nach Guybrushs Berufswunsch ganz am Anfang des ersten Monkey Island ist womöglich eine Anspielung auf Grisu!

Nicht zu vergessen natürlich auch Tabaluga! Er war zunächst ein Konzeptalbum des Schlagersängers Peter Maffay, das 1983 in Zusammenarbeit mit Rolf Zuckowski und Gregor Gottschalk veröffentlicht wurde. Erzählt wird die Geschichte des Jungdrachen Tabaluga, der aufbricht, um die Vernunft zu finden. Die Reise besteht aus 12 Liedern, zwischen denen kurze erzählte Abschnitte stehen. Das Album erreichte Platz 2 in den Charts und gewann Doppel-Platin. Bis 2022 folgten noch sechs Fortsetzungen, außerdem wurde Tabaluga auch als Zeichentrickserie und Kinofilm umgesetzt. Tabalugas größter Gegenspieler ist dabei ein heimtückischer Schneemann, der kurioserweise Arktos heißt - genau wie das legendäre Eis/Flug-Pokémon aus der ersten Generation, aber der Schneemann aus Tabaluga war 13 Jahre vor dem Pokémon da! Uns ist aber nicht bekannt, dass diese Namensgleichheit jemals für rechtliche Probleme gesorgt hätte.

Foto von Tabaluga im Holiday Park
Vernünftiger Drache: Tabaluga und seine Hasenfreundin Happy auf einer Themenfahrt im Holiday Park

Drachen gibt es nicht nur in Zeichentrickserien, sondern auch in Puppenspielen - beispielsweise in Hallo Spencer! Die Serie ging 1979 an den Start, bis 2001 entstanden insgesamt 275 Folgen. Erzählt werden die lustigen Alltagsabenteuer in einem Dorf voller verrückter Bewohner, und zu diesen zählt auch der Jungdrache Poldi. Er lebt in einer Kraterlandschaft und erschreckt alle, die dort vorbeigehen, mit lautem Gerüll und der grammatikalisch falschen Drohung "Bwuuaaah, ich will dir fressen!!" Tatsächlich gefressen hat er die ganze Serie über jedoch nie jemanden. Von Zeit zu Zeit verlässt Poldi auch das Dorf, um die Jungdrachenschule zu besuchen, denn dort hat er mit Pummelzacken sogar eine Freundin. Manche Folgen erzählen von Poldis Schulalltag dort.

Dann muss natürlich auch die Ausgburger Puppenkiste erwähnt werden! Das berühmte Urmel aus dem Eis ist zwar kein Drache, sondern einfach nur ein Dinosaurier - dafür gibt es aber mehrere Drachen in Jim Knopf, der zweitberühmtesten Serie der Augsburger Puppenkiste, welche nach dem gleichnamigen Buch von Michael Ende entstand. Der kleine Jim kam ja ganz am Anfang als Baby in einem Paket nach Lummerland. Tatsächlich war es eine Fehllieferung, denn das Paket war eigentlich für Frau Mahlzahn in Kummerland bestimmt. Kummerland ist ein garstiges Land hinter der Wüste, wo sich viele Drachen tummeln, und Frau Mahlzahn ist selbst ein Drache: Sie leitet eine Drachenschule, wo sie Kinder unterrichtet, die von den Drachen entführt wurden. Später geraten Jim Knopf und Lukas, der Lokomotivführer, auch selbst in die Drachenstadt hinein, als sie versuchen, Li-Si, die Prinzessin von China, von dort zu befreien.

Foto von Frau Mahlzahn in der Augsburger Puppenkiste
Der Drache aus Kummerland macht keinen Kummer mehr: Frau Mahlzahn im Marionetten-Museum Die Kiste in Augsburg

Und es gibt auch noch einen zweiten Drachen bei Jim Knopf: Nepomuk ist ganz friedlich und freundet sich sogar mit Jim und Lukas an, aber er ist ja auch kein richtiger Drache, sondern nur ein Halbdrache - sein Vater war ein standesgemäßer Feuerdrache, seine Mutter aber ein gewöhnliches Nilpferd. Das hat Nepomuk eine Nilpferd-ähnliche Nase beschert, und deshalb haben ihn die anderen Drachen auch aus der Drachenstadt verstoßen.

Jim Knopf stammt, wie gesagt von Michael Ende, und der hat außerdem einen sehr erfolgreichen Fantasy-Roman geschrieben: Die unendliche Geschichte! Es geht im Groben darum, dass sich das Land Phantásien in Nichts auflöst, und nur ein Menschenjunge aus der realen Welt kann den Verfall aufhalten. Wie es sich für ein richtiges Fantasy-Reich gehört, gibt es in Phantásien aber auch Drachen - zumindest einen lernen wir im Buch kennen, und der ist ganz untypisch! Fuchur ist nämlich ein Glücksdrache. Er ist länglich wie ein asiatischer Long, schneeweiß und hat den Kopf eines Hundes. Der junge Held Atréju lernt Fuchur erstmals kennen, als er von diesem aus den Sümpfen der Traurigkeit gerettet wird, und erhält auch später immer wieder Hilfe von ihm, denn es liegt einfach in der Natur von Glücksdrachen, zu helfen und Glück zu bringen.

Screenshot aus Die unendliche Geschichte
So ein Glück! Fuchur ist ein Glücksdrache aus Phantásien und bringt seinen Freunden eben dies: Glück!

Neben Die unedliche Geschichte ist vor allem Die Stadt der träumenden Bücher eins meiner absoluten Lieblingsbücher. Dieses stammt von Walter Moers, erschien 2004 und zählt zur Zamonien-Reihe. Zamonien, das ist ein Kontinent mitten im Atlantischen Ozean, der von Fabelwesen bevölkert wird, aber für Menschen unsichtbar ist. Die Zamonien-Romane sind handlungsmäßig meist voneinander unabhängig, haben aber gemeinsam, dass sie alle in Zamonien spielen, und gewisse Charaktere und Orte in mehreren Romanen auftauchen. Es gibt in Zamonien auch eine so genannte Lindwurmfeste, dort leben ausschließlich Lindwürmer, das ist ein anderes Wort für Drachen. Die meisten Drachen der Lindwurmfeste sind Dichter, darunter auch Hildegunst von Mythenmetz, der angeblich der wahre Autor zahlreicher Zamonien-Romane ist - und der echte Autor Walter Moers ist demnach nur der Übersetzer. Speziell Die Stadt der träumenden Bücher entspricht den ersten beiden Kapiteln von Mythenmetz' Autobiographie.

Das Buch setzt ein, als Mythenmetz von seinem Dichtpaten ein geniales Manuskript erbt und den Auftrag erhält, den Verfasser dieser Worte zu finden. Daraufhin macht sich Mythenmetz auf den Weg nach Buchhaim, eine Stadt, die eine einzige riesengroße Bibliothek ist. Nur ein Bruchteil der Stadt liegt an der Erdoberfläche, der Löwenanteil entfällt auf ein gigantisches Labyrinth unter der Erde. In Buchhaim angekommen, lernt Mythenmetz leider schnell die falschen Leute kennen, und so macht er auch schneller als ihm lieb ist Bekanntschaft mit dem Labyrinth und mit den gefährlichen Kreaturen, die darin hausen. Später erschienen noch weitere Ausschnitte aus Mythenmetz' Biographie, aber auch die ein oder andere deutsche Übersetzung von zamonischer Unterhaltungsliteratur, die von Mythenmetz verfasst wurde.

Und ja, natürlich gibt es auch noch hunderte, wenn nicht tausende Drachen in vielen, vielen anderen Büchern, Filmen und Serien! Es gibt die Animationsfilm-Reihe Drachenzähmen leicht gemacht und die Buchreihe Eragon - Das Vermächtnis der Drachenreiter. Auch die Schüler einer bekannten Zauberschule in Großbritannien lernen, dass Drachen keineswegs nur Fiktion sind. Es gibt Drachen bei Shrek und in Der Herr der Ringe, und ganz besonders erwähnt werden muss auch noch der Film Dragonheart, in dem ein Ritter eine Zweckfreundschaft mit dem letzten Drachen der Welt eingeht. Der Katastrophenfilm Die Herrschaft des Feuers spielt dagegen in der Gegenwart und erzählt, wie wiedererweckte Drachen über das heutige London herfallen. Und es gibt noch viel, viel mehr Beispiele, denn Drachen sind aus der Literatur einfach nicht mehr wegzudenken!


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Erstellt am 01.11.2023 • Letzte Änderung: 06.11.2023 • ImpressumDatenschutzCookie-EinstellungenNach oben