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Gruselige Weihnachten

Spätestens nach Halloween (oft sogar schon davor) komme ich in Weihnachtsstimmung. Anno 2020 habe ich bereits im alljährlichen Halloween-Marathon auf Kibo.FM ein erstes Weihnachts-Special gesendet. Damit die Sendung trotzdem irgendwie mit Halloween assoziiert werden konnte, ging es dabei besonders um die gruseligen Aspekte des Festes. Alle Infos aus der Sendung könnt ihr hier noch einmal nachlesen!

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Gruselige Weihnachten

In diesem Special geht es um den Grusel an Weihnachten! Denn Weihnachten ist nicht nur die stille und besinnliche Zeit, nein, nein - es kann da mitunter noch viel gruseliger zugehen, als an Halloween! Immerhin besagt ja schon ein alter Mathematiker-Witz, dass Halloween und Weihnachten dasselbe sind: 31 im Oktalsystem entspricht 25 im Dezimalsystem - oder in Kurzschreibweise: Oct 31 = Dec 25, und das kann man auch als 31. Oktober = 25. Dezember lesen! Aber ob es nur ein Zufall ist, dass das mathematisch so gut hinkommt? Wer weiß!

Es beginnt schon damit, dass es tatsächlich eine Angst vor Weihnachten gibt, die sogar einen wissenschaftlichen Namen hat: Santaclausophobie! Ja, ich habe tatsächlich "Santaclausophobie" geschrieben, und das ist kein Scherz, sie heißt wirklich so! Von der Santaclausophobie betroffene Personen haben Angst vor Weihnachten in seiner Gesamtheit oder auch nur vor einzelnen Aspekten des Festes. Besonders verbreitet ist eine leichte Form der Santaclausophobie, bei der die Betroffenen Angst vor einem Familienstreit an Weihnachten haben - davon sind über 40 % der deutschen Bevölkerung betroffen! Die meisten schlucken ihre Angst runter und beißen sich irgendwie durch, oft geht's dann ja trotzdem gut. Bei einigen ist die Santaclausophobie aber auch so ausgeprägt, dass sie sich nicht anders zu helfen wissen, als vor Weihnachten zu flüchten, etwa in die Karibik.

Einige kleine Kinder haben auch Angst vor dem Weihnachtsmann. Kein Wunder: Die Vorstellung, dass bei Nacht ein großer fremder Mann ins Haus kommt, während alle schlafen, ist nun wirklich nicht so ermutigend! Und vielleicht ist diese Angst begründet: Bereits seit dem 16. Jahrhundert erzählt man sich - vor allem im Alpenraum - vom Krampus. Er ist ein Begleiter des Heiligen Nikolaus, und während der Nikolaus den braven Kindern kleine Geschenke macht, werden die unartigen Kinder vom Krampus bestraft. Dabei ist der Krampus ein Dämon mit zwei Hörnern, sein Name leitet sich ab vom Mittelhochdeutschen "Krampen" für "Kralle". Wie genau die Strafe aussieht, die der Krampus den Kindern antut, dazu habe ich keine verlässlichen Angaben gefunden. Aber auf Wikipedia ist eine sehr appetitliche Postkarte aus dem Jahr 1911 zu sehen, auf der der Krampus ein Kind mit einer langen Zunge umschlungen hält. Auf einer anderen Postkarte drückt der Krampus einen Jungen in einen großen Korb, während dessen Schwester seelenruhig daneben sitzt und Äpfel verspeist.

Postkarte des Krampus Postkarte des Krampus
Mögliche Strafen, die der Krampus den Kindern antun könnte: Abbildungen auf zwei Postkarten vom Anfang des 20. Jahrhunderts • Quelle: Wikipedia, Lizenz: Public Domain

Im östlichen Alpenraum, wozu auch noch das südliche Bayern zählt, gibt es auch die Tradition des Krampuslaufens. Dabei verkleiden sich einige Menschen als Krampus und versuchen, arglose Passanten zu erschrecken. Die Kinder dagegen versuchen, einen Krampus zu reizen, ohne von diesem erwischt zu werden - das nennt man dann Krampusstauben. Besonders bekannt ist der Krampuslauf im österreichischen St. Johann im Pongau, an dem bis zu 1000 Krampusse teilnehmen.

Sehr bekannt ist auch die Tradition, sich zu Weihnachten unter dem Mistelzweig zu küssen - dieser Brauch hat es ja sogar in ein Lied der Pokémon Weihnachtsparty geschafft! Allerdings gibt es auch eine blutige nordische Sage um den Mistelzweig. In Kurzfassung: Balder war der Gott des Lichtes, aber dessen Mutter Frigga sah in Visionen, wie die Todesgöttin Hel sich Balder holt. Daraufhin zog Frigga um die ganze Welt und nahm allen Geschöpfen, allen Tieren, Pflanzen und Gegenständen das heilige Versprechen ab, ihrem Sohn Balder niemals etwas anzutun. Schnell fanden die anderen Götter ihren Spaß daran, Balder mit allen möglichen Waffen zu attackieren - ihm würde ja sowieso nichts passieren, da keine Waffe der Welt Balder etwas antun könne. Nur leider, leider hatte Frigga bei ihren Bemühungen die Mistel vergessen. Der heimtückische Loki wusste das, und so schnitzte er einen Pfeil aus einem Mistelzweig. Diesen überreichte er Balders Bruder Hödur, der unwissend den Pfeil auf Balder abschoss und so seinen eigenen Bruder tötete - die Prophezeiung hatte sich erfüllt!

Zeichnung von Balder
Er starb durch einen Mistelzweig: Balder, der Gott des Lichtes, auf einer isländischen Zeichnung aus dem 18. Jahrhundert (Ausschnitt) • Quelle: Wikipedia, Lizenz: Public Domain

Nicht zu vergessen schließlich die Beispiele aus der Pop-Kultur, in denen Weihnachten und Horror aufeinander prallen. Von dem amerikanischen Kinderbuch-Autor Dr. Seuss stammt der Grinch, ein grünes Ungetüm, das schlechte Stimmung verbreiten will. In der mit Abstand bekanntesten Grinch-Geschichte How the Grinch Stole Christmas versucht das Monster, das Weihnachtsfest von Whoville zu stehlen. Weniger bekannt ist dagegen, dass es auch eine Halloween-Geschichte mit dem Grinch gibt: In Halloween is Grinch Night steht der kleine Euchariah im Mittelpunkt, der sich in der Halloween-Nacht alleine dem Grinch gegenüber stellen will. Eine 20-minütige Zeichentrick-Umsetzung davon lief Anfang der 2000er Jahre unter dem Titel An Halloween kommt der Grinch auf Super RTL.

Außerdem gibt es die Horrorkomödie Gremlins - Kleine Monster, die 1984 ins Kino kam - nach einem Drehbuch von Chris Columbus, dem wir u.a. auch Kevin allein zu Haus, Die Goonies und die ersten beiden Harry Potter-Filme verdanken. Bei Gremlins beginnt das Unglück am Weihnachtsabend: Der kleine Billy bekommt von seinem Vater zu Weihnachten ein kuscheliges neues Haustier geschenkt, das Kerlchen heißt Gizmo. Was nur niemand ahnt: Das Tierchen ist ein Gremlin bzw. genauer gesagt ein Mogwai, ein Dämon aus der chinesischen Kultur. Bald vervielfältigt sich der Gremlin, und die ganze Meute sorgt in der Stadt für Chaos und Zerstörung. Fröhliche Weihnachten sind was anderes!

Screenshot aus Halloween is Grinch Night Screenshot aus Gremlins
Halloween ist Grinch-Nacht: Der kleine Euchariah stellt sich allein dem grünen Ungetüm gegenüber. Ein Dämon als Weihnachtsgeschenk: Noch sieht der kleine Gremlin ganz niedlich aus, doch das täuscht!

The Nightmare Before Christmas

Den Film The Nightmare Before Christmas hatten wir in den letzten Jahren schon mehrmals in unseren Halloween-Specials angesprochen. Aber es ist halt einfach so ein ikonischer Film für die Halloween-Zeit - immerhin stammt aus dem Film ja sogar unsere beliebte Halloween-Marathon-Hymne This is Halloween. Und auch jetzt passt der Film wieder sehr gut zum Thema, denn The Nightmare Before Christmas ist das perfekte Bindeglied zwischen Halloween und Weihnachten.

The Nightmare Before Christmas auf der Unterseite "Gruselstunde bei Disney"

Charles Dickens' Weihnachtsgeschichte

Auch die berühmte Weihnachtsgeschichte von Charles Dickens ist nicht ganz unpassend zur Halloween-Zeit. Es ist zwar im Grunde eine reine Weihnachtsgeschichte (das sagt ja schon der Name), aber immerhin treten darin mehrere Geister auf - einer davon war sogar ein Star-Gast in unserem Kibo.FM Halloween-Hörspiel 2018!

Charles Dickens' Weihnachtsgeschichte auf der Unterseite "Weihnachtsfilme"


Poupelle of Chimney Town

Ein neuer Anime-Film ist in der Mache: Poupelle of Chimney Town soll in Japan am 25. Dezember 2020 in die Kinos kommen - ein weltweiter Release ist für das Jahr 2021 geplant, wenn auch noch nicht feststeht, in welcher Form. Ob wir den Film also im Kino, als Stream oder als Blu-ray-Premiere zu sehen bekommen, das bleibt abzuwarten.

Der japanische Release am 1. Weihnachtstag ist eigentlich unpassend, denn tatsächlich handelt es sich bei Poupelle of Chimney Town um einen Halloween-Film. Zumindest beginnt die Geschichte an Halloween in der titelgebenden Stadt Chimney Town, der Stadt der Schornsteine ("chimney" ist Englisch für "Schornstein"). Durch den dichten Qualm der vielen Schornsteine kann man von der Stadt aus den Himmel nicht mehr sehen, und es ist auch aus irgendeinem Grund verboten, überhaupt nach oben zu gucken.

Über diese Stadt fliegt am Halloween-Abend ein Postbote und lässt dabei versehentlich ein Herz fallen, das er eigentlich ausliefern sollte. Obwohl er sofort anfängt, danach zu suchen, kann der Postbote das Herz nicht wiederfinden und zieht unverrichteter Dinge weiter. Das Herz jedoch ist auf der Müllkippe von Chimney Town gelandet. Dort hat sich aus dem ganzen Schrott eine Art Puppe gebildet, die nun durch das Herz zum Leben erwacht. Das erklärt den Titel des Films: "Poupelle" ist Französisch für "Puppe", "Poupelle of Chimney Town" ist also die Puppe aus der Kaminstadt.

Poupelle geht sofort auf Erkundungstour. Da ja gerade Halloween ist, sind auf den Straßen viele als Monster verkleidete Menschen unterwegs, und Poupelle wird von allen für das gelungene Kostüm gelobt. Als dann aber die Halloween-Party zu Ende geht und alle ihre Kostüme ablegen, bemerken die Leute, dass Poupelle gar kein verkleideter Mitbürger ist, sondern ein echtes Ungeheuer. Und obwohl Poupelle ihnen gar nichts getan hat und überhaupt nichts Böses im Sinn hat, gehen die Menschen sofort auf Distanz und meiden ihn konsequent.

Poupelle ist traurig und enttäuscht über die Abwehrhaltung der Menschen, doch da begegnet er dem Schornsteinfeger Lubicchi, der tatsächlich noch ein kleiner Junge ist. Lubicchi hat überhaupt keine Angst vor Poupelle, weil er meint, das Schrottmonster würde irgendwie vertraut riechen. Die beiden freunden sich an, offenbaren sich gegenseitig ihre Geheimnisse und brechen schließlich gemeinsam auf, in ein riskantes Abenteuer ...

Internationaler Trailer zu Poupelle of Chimney Town:

Hinweis: Das folgende Video wird von Youtube eingebunden. Wenn Sie das Video starten, werden gewisse Daten an Google übertragen. Weitere Informationen hierzu finden Sie in der Datenschutzerklärung.


(eingebunden vom Youtube-Kanal Toho MOVIE channel)

Poupelle of Chimney Town ist ursprünglich ein Bilderbuch aus der Feder des japanischen Autors und Zeichners Akihiro Nishino. In Japan erschien das Buch erstmals im Oktober 2016. Auf Deutsch ist das Büchlein noch nicht erschienen, aber auf seinem Blog bietet der Autor zumindest eine offizielle englische Übersetzung an.

Eine offizielle Musical-Adaption von Poupelle of Chimney Town startete vor wenigen Wochen, im September 2020, am Broadway in New York, unter der Leitung von Jessica Wu. Und jetzt steht eben, wie gesagt, auch der Anime-Film in den Startlöchern: Der Streifen entsteht bei Studio 4°C - bekannt etwa für Tekkon Kinkreet, Genius Party und die Berserk-Filme - unter der Regie von Yusuke Hirota, der damit sein Regie-Debut abliefert, bislang war er eher für die visuellen Effekte verantwortlich.

Vor wenigen Tagen, am 20. Oktober, wurde erstmals ein internationaler Trailer zu Poupelle of Chimney Town veröffentlich - dadurch bin auch ich auf den Film aufmerksam geworden. Im Trailer hört man auch zum ersten Mal den Titelsong Halloween Party des bekannten J-Rockers Hyde. Tatsächlich ist Halloween Party aber gar nicht sooo neu: Die erste Version produzierte Hyde bereits 2012 für ein Halloween-Live-Event der Rock-Gruppe VAMPS. Seither wird das Lied jedes Jahr neu aufgelegt, und die 2020er-Version wird eben der Titelsong von Poupelle of Chimney Town.

Akihiro Nishino, der Autor der Buchvorlage, schrieb übrigens selbst das Drehbuch zum Film. Somit ist davon auszugehen, dass der Film auch seinen Vorstellungen entsprechen wird. Bleibt also nur noch abzuwarten, wann genau und in welcher Form der Film bei uns erscheinen wird, doch Vorfreude lohnt sich ziemlich sicher!


Bildnachweis: Alle Screenshots in diesem Artikel sind selbst erstellt. Das Copyright liegt bei den Rechteinhabern der jeweiligen Filme.
Gremlins: © Warner Bros., Amblin Entertainment, Halloween is Grinch Night: © DePatie-Freleng Enterprises, Dr. Seuss Enterprises, Universal Pictures Home Entertainment


Erstellt am 08.11.2020 • Letzte Änderung: 10.11.2020 • ImpressumDatenschutzNach oben