PORTAL 2

"Portal" war seinerzeit ursprünglich nur eine Zugabe zur Orange Box, in der Valve hauptsächlich die Ego-Shooter "Half-Life" und "Team Fortress 2" verkaufen wollte. Das Spiel war aber überraschend erfolgreich, so dass schliesslich ein Nachfolger auf den Markt kam. Dieser wurde am 5. März 2010 zum ersten Mal angekündigt und ist am 21. April 2011 schliesslich erschienen - wieder für PC, X-Box 360 und Playstation 3, die Wii blieb abermals aufgrund von zu geringer technischer Leistung ausgeschlossen, und das ist jetzt sogar noch verständlicher als beim Vorgänger, denn "Portal 2" ist um einiges umfangreicher als der erste Teil.
"Portal 2" knüpft nahtlos an "Portal 1" an. Nachdem ihr am Ende des ersten Teils von einer unbekannten Person fort gezerrt werdet, wacht ihr 50 Tage später in einer Art Hotelzimmer auf. Nach ein paar Fitness-Übungen legt ihr euch wieder ins Bett, um erst sehr viel später erneut die Augen auf zu tun. Wie viel Zeit genau vergangen ist, das erfahrt ihr nicht, aber Fakt ist, dass die Anlagen inzwischen verfallen sind. Der kleine Bot Wheatley weckt euch und will euch den Weg nach draussen zeigen, doch er stellt sich nicht allzu geschickt dabei an, so dass ihr zunächst einmal versehentlich GLaDOS wieder zum Leben erweckt - und sie ist ganz schön sauer! Kein Wunder, wer wäre nicht sauer auf seinen eigenen Mörder? Da GLaDOS aber zum Testen gebaut ist, bringt sie euch nicht direkt um, sondern schickt euch stattdessen in ein paar Testkammern, um euch so zu quälen. Wheatley holt euch allerdings aus der Teststrecke wieder raus und hilft euch, GLaDOS' Waffen zu sabotieren, so dass ihr euch dem fiesen Super-Computer schliesslich gegenüber wagen könnt und euch dabei einer der einfachsten Boss-Kämpfe in der Geschichte der Computerspiele erwartet. Als ihr dann allerdings in den Aufzug steigt, der euch endlich zurück ans Tageslicht bringen soll ... nein, das verrate ich jetzt nicht! Auf jeden Fall geht's dann erst richtig los, und wer das Spiel noch spielen will, wird sich im ersten Moment nur denken: "Ja, was zum ..."
Insgesamt erstreckt sich die Handlung von "Portal 2" über neun Kapitel, wobei Spieler des Vorgängers im ersten Kapitel die Testkammern aus Teil 1 wieder erkennen, nur ein wenig verfallener. So erhalten Neulinge ein gutes Tutorial und Fans ihre Dosis Nostalgie. Später werden aber viele spannende neue Spiel-Elemente eingeführt, darunter die Lichtbrücken, die einen Weg über tödliches Giftwasser darstellen und sich sogar durch Portale leiten lassen, oder Flutlichttunnel, in denen ihr ein Stück weit durch die Luft schweben könnt. Am interessantesten sind allerdings die drei Gele: Das blaue Rückstossgel lässt euch höher abspringen, das orange Beschleunigungsgel erhöht eure Geschwindigkeit und das weisse Portalgel schliesslich gibt euch die Möglichkeit, auch dort Portale zu erschaffen, wo das eigentlich gar nicht gehen dürfte. Es ist ein Teil der Rätsel, herauszufinden, wo ihr welches Gel verteilen müsst, um den Test zu bestehen. Bei so vielen spannenden Neuerungen ist es zwar schon schade, aber durchaus zu verkraften, dass der Energieball aus "Portal 1" nicht in den Nachfolger übernommen wurde. Etwas schwerer zu verzeihen ist hingegen, dass das geplante vierte Gel, das Gravitationsgel, nicht ins fertige Spiel übernommen wurde. Es hätte euch die Möglichkeit gegeben, an Wänden und Decken entlang zu laufen, wurde aber entfernt, da den Spieletester dabei angeblich schlecht geworden ist. Das Gel wäre lila gewesen und lässt sich mit dem offiziellen Editor zwar optisch wieder ins Spiel einfügen, hat aber leider keine Funktion.
Dennoch bietet "Portal 2" lange Unterhaltung, und wer den Einzelspieler-Modus durch hat, der kann sich auch noch am Co-op-Modus versuchen. Dieser lässt sich ausschliesslich mit zwei Spielern bestreiten, wobei ihr euch entweder einen zufälligen Partner zuweisen lassen oder einen Freund von euer Kontaktlisten einladen könnt. Ihr übernehmt die Rolle der beiden Roboter Atlas und P-Body, die von GLaDOS gebaut oder zumindest entscheidend verbessert wurden und ihrer Schöpferin nun in mehreren Tests beweisen müssen, was sie können. Dabei spielt ihr anders als in vielen anderen Spielen nicht gegeneinander, sondern müsst als Team zusammen arbeiten, wobei euch nicht nur zwei, sondern insgesamt vier Portale zur Verfügung stehen - zwei für jeden Spieler! Und die werdet ihr in den meisten Fällen auch dringend brauchen!
Wer aber lieber den Wettstreit gegen andere Spieler sucht, der wird sich über den DLC freuen, der am 4. Oktober nach langer Wartezeit endlich erschien. Vom Spielerischen her ist der DLC zwar nicht allzu umfangreich, lediglich eine einzige neue Co-op-Teststecke mit neun Testkammern wurde hinzu gefügt, aber dafür wurde auch ein Challenge-Modus ins Spiel integriert. Dieser ermöglicht es euch, eure Top-Zeit und die Anzahl eurer Portale auf einer Highscore-Liste zu platzieren und zu versuchen, der obersten Platz zu erreichen.
Eher unbekannt ist die Tatsache, dass dieser DLC gar nicht der erste seiner Art war. Bereits Anfang des Sommers erschien eine erste Erweiterung, die allerdings nicht allgemein zugänglich ist, sondern nur für Besitzer des Razer Hydra Controllers. Dieses sieht auf den ersten Blick aus wie ein Wii-Fernbedingung, und der DLC bietet eine neue Einzelspieler-Teststrecke, in der eine neue Würfel-Sorte vorkommt. Diese könnt ihr beliebig in die Länge ziehen, indem ihr Fernbedienung und Nunchuck voneinander weg bewegt, und so den Würfel beispielsweise in eine Brücke oder in einen Schutzschild verwandeln. Das klingt zwar durchaus interessant, ob man aber bereit ist, nur wegen ein paar Testkammern gleich einen teuren Controller zu kaufen, muss jeder für sich selbst entscheiden. Diejenigen, die den Controller sowieso kaufen wollten, können sich aber auf jeden Fall über diese kleine Zugabe freuen.
Trotzdem ist "Portal 2" auch ohne den Razer Hydra Controller ein grossartiges Spiel, das seine durchschnittliche Bewertung von 95 % mehr als verdient hat. Bisher 115 Stunden Spielzeit in meinem persönlichen Steam-Konto sprechen eine deutliche Sprache, und ich habe davon jede Minute genossen. Lobenswert ist auch der überaus grosse Fan-Service: Valve hat nicht nur drei Soundtrack-CDs zum Spiel kostenlos zum Download angeboten, sondern sogar einen Spieler unterstützt, der mit Hilfe einer selbst erstellten Portal 2 Map seiner Freundin einen Heiratsantrag machen wollte. Insgesamt 51 Errungenschaften und hunderte Custom Maps motivieren euch lange, und während wir noch spielen, freuen wir uns bereits auf den nächsten DLC oder vielleicht, hoffentlich sogar irgendwann einmal auf "Portal 3".
Fazit: Wir haben uns laaange nicht gesehen. Wie geht es dir?


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