POKÉMON X & Y

Nun ist es endlich so weit: Seit 12. Oktober sind Pokémon X & Y erhältlich, die beiden neuesten Editionen, welche die 6. Generation einläuten. Sie erscheinen nicht nur erstmals auf dem Nintendo 3DS, sondern auch erstmals weltweit gleichzeitig. Das ist besonders beeindruckend, wenn man sich vor Augen führt, dass bei Rot & Blau noch satte 3 1/2 Jahre zwischen dem Japan- und dem Deutschland-Release lagen. Die Namen X & Y basieren dabei übrigens nicht, wie oft behauptet wird, auf Chromosomen, sondern auf der X- und Y-Achse eines Koordinatensystems, das verriet Junichi Masuda in einem Interview. Die X- und Y-Achse streben in unterschiedliche Richtungen auseinander, treffen sich aber doch an einem Punkt - so unterschiedlich man also ist, es gibt Gemeinsamkeiten. Das wollten die Entwickler mit der Titelgebung herausstellen, und das findet sich auch in der Story wieder: Fünf Kinder ziehen los, alle ausgerüstet mit einem Start-Pokémon, aber alle mit unterschiedlichen Ansichten und Zielen. Ihr seid eins der Kinder, seid die meiste Zeit allein unterwegs, kreuzt aber doch immer wieder den Weg von einem eurer Freunde - mal für ein Duell gegeneinander, mal für einen vereinten Kampf gegen einen gemeinsamen Feind, mal auch einfach nur zum Gedankenaustausch.

Die Story beginnt in Escissia, einem kleinen Dorf im Süden von Kalos. Ihr seid erst kürzlich hierher gezogen, und schon beginnt eure Pokémon-Reise! Kalos basiert dabei auf Frankreich und ist somit die erste Pokémon-Region, die sich in Europa befindet. Passend dazu liegt in der Mitte des Landes die Großstadt Illumina City, die auf Paris basiert und in deren Mitte sich ein Turm erhebt, der stark an den Eiffelturm erinnert. Aber zurück nach Escissia! Wenige Minuten nach Spielstart erhaltet ihr in einem Straßen-Café euer Start-Pokémon. Zur Auswahl stehen der kleine Kastanien-Igel Igamaro, der Feuer-Fuchs Fynx sowie der blaue Frosch Froxy, ein Wasser-Pokémon. Ein wenig später, aber noch vor dem zweiten Orden, erhaltet ihr dann noch einen zweiten Starter, und zwar einen der Klassiker überhaupt: Bisasam, Glumanda oder Schiggy.

Dass Pokemon X & Y im Hinblick auf die Grafik zu überzeugen weiß, hatte uns schon die Demo bewiesen, die man in den letzten Wochen vor Release auf dem Pokémon Day anzocken konnte. Zwar wird die 3D-Funktion nur während Kämpfen und wichtigen Zwischensequenzen aktiviert, weiß gerade dann aber wirklich zu überzeugen. Auch ohne 3D ist der Rest von Pokémon X & Y aber ein sehr schönes Spiel. Die verschiedenen Städte sind unterschiedlich und sehr schön gestaltet, so gibt es zwar jetzt keinen Jahreszeitenwechsel mehr wie in Schwarz & Weiß, dafür herrscht aber je nach Region eine unterschiedliche Atmosphäre: Im Norden von Kalos liegt etwa Romantia City, eine herbstliche Kleinstadt, deren Arena in einem pilzbewachsenen Baum untergebracht ist. Weiter im Süden liegt Fractalia City, ein märchenhaft verschneiter Ort im ewigen Winter, ganz in der Nähe eines verzauberten Waldes. Eine Reise durch Kalos vom Anfang bis zum Ende ist quasi gleichzusetzen mit einer Reise durch das Jahr vom Frühling bis zum Winter. An manchen ausgewählten Ausblickpunkten könnt ihr sogar ein Panorama-Foto von eurer Spielfigur vor einer beeindruckenden Kulisse schießen, das Bild wird auf der SD-Karte eures Nintendo 3DS gespeichert. Apropos eure Spielfigur: Diese könnt ihr jetzt auch personalisieren! Nicht nur, dass ihr in einem Schönheitssalon in Illumina City die Möglichkeit habt, euch die Haare schneiden und färben zu lassen, auch finden sich im ganzen Land diverse Boutiquen, in denen ihr euch mit Kleidungsstücken eindecken können, um dann jederzeit nach Belieben Mütze, Jacke, Hose und Schuhe zu wechseln.

Natürlich punktet Pokémon X & Y nicht nur auf optischer Seite, sondern auch aus spielerischer Sicht. Es mag zunächst abschreckend klingen, dass es nur 69 neue Pokémon gibt, die 6. Generation ist somit die mit den wenigstens Neuzugängen. Dafür ist die Qualität der Pokémon im Vergleich zur 5. Generation aber wieder gestiegen, und außerdem kommt mit Fee ein ganz neuer Pokémon-Typ ins Spiel - zum ersten Mal seit der 2. Generation! Die Feen wurden erschaffen, um die Balance wieder herzustellen, da den Entwicklern aufgefallen ist, dass auf Meisterschaft vorwiegend Drachen eingesetzt werden. Nun sind Feen gegen Drachen völlig immun, können das Spiel also total durcheinander wirbeln. Zudem sind Feen in der Verteidigung stark gegen Kampf, Käfer und Unlicht, aber schwach gegen Gift und Stahl. Als Angreifer haben Feen einen Vorteil gegen Kampf, Drachen und Unlicht, sind jedoch im Nachteil gegen Gift, Stahl und Feuer.

Das kleine Evolutionswunder Evoli bekam passend dazu auch direkt eine Fee-Entwicklung spendiert. Abgesehen davon existieren zwar keine herkömmlichen Vor- oder Weiterentwicklungen bekannter Pokémon, dafür kommen aber die Mega-Pokémon neu ins Spiel. Sie erinnern ältere Anime-Fans ein wenig an Digimon und sind temporäre Weiterentwicklungen für die Dauer eines Kampfes. Voraussetzung sind ein Mega-Ring, den ihr im Verlauf der Story automatisch erhaltet, sowieso der entsprechende Mega-Stein für das jeweilige Pokémon - einige der Steine erhaltet ihr im Lauf der Story automatisch, andere müsst ihr im Land finden, und manche werden auch als Event verteilt, so etwa der Lohgocknit, den ihr vom Start weg und noch bis Mitte Januar 2014 zusammen mit einem speziellen Flemmli downloaden könnt. Besitzt ihr den Mega-Ring, trägt euer Pokémon den passenden Mega-Stein und ist das Vertrauen hoch genug, dann könnt ihr einmal pro Kampf die Mega-Entwicklung auslösen, wodurch das Pokémon nicht nur höhere Werte erhält, sondern auch seine Fähigkeit und in manchen Fällen sogar seinen Typ ändert: Mega-Ampharos bekommt beispielsweise den Drachen-Typ dazu, Mega-Pinsir den Flug-Typ, und Mega-Garados tauscht seinen Flug-Typ gegen Unlicht. Dabei sind Glurak und Mewtu die einzigen beiden Pokémon, die gleich zwei Mega-Entwicklungen besitzen, was von der Edition abhängt - den entsprechenden Stein könnt ihr aber in die jeweils andere Edition tauschen.

Was das grundlegende Spielkonzept betrifft, hat sich wenig geändert, aber es heißt ja auch so schön "Never change a running system": Wozu an einem Spielprinzip herum experimentieren, das in seiner jetzigen Form seit 17 Jahren beliebt ist? So zieht ihr also wieder durch das Land, fangt und trainiert wilde Pokémon, fordert die acht Arenaleiter heraus und kämpft am Ende in der Pokémon-Liga. Unterwegs begegnet euch wieder ein feindliches Team. Diesmal ist es das Team Flare, das die Welt vor einer Überbevölkerung retten will, indem sie einfach alle Menschen und Pokémon vernichten - mit Ausnahme weniger Auserwählter, sinnigerweise die Mitglieder von Team Flare. Dies gilt es zu verhindern, wobei in der Story auch ein geheimnisvoller Riese eine Rolle spielt, der ein wenig an einen Zombie erinnert. Was es mit ihm auf sich hat, spoilern wir euch allerdings nicht, nur noch so viel: Ähnlich wie in Schwarz & Weiß erwartet euch auch diesmal zum Ende hin noch einmal eine Überraschung, und der Schluss der Geschichte ist sehr schön und emotional. Achtet im Nachspann auch auf die abgespielte Melodie im Zusammenhang mit dem Text, der auf dem unteren Bildschirm angezeigt wird.

Spielerische Änderungen liegen nun im Detail, aber das, was geändert wurde, wurde zum Positiven geändert. Ein Beispiel dafür ist der EP-Teiler: Ihn könnt ihr nicht mehr einem bestimmten Pokémon zum Tragen geben, sondern er ist wieder - wie früher in Rot & Blau - ein Basis-Item, das für alle Team-Pokémon gilt: Die Monster, die gekämpft haben, bekommen die Hälfte der EP, die andere Hälfte wird unter den inaktiven Team-Mitgliedern aufgeteilt. So trainieren sich unsere Pokémon gleichmäßiger, denn in früheren Editionen kam es oft vor, dass wir in der Liga mit einem starken Monster auf Level 70 oder 80 standen, der Rest des Teams aber noch zwischen Level 20 und 30 herum dümpelte - diesmal kamen wir mit einem ausgewogenen Team auf Level 60 bei den Top Vier an. Erfreulicherweise müsst ihr auch nicht viel Text wegdrücken, sondern es wird mit einer einzigen Textbox abgehandelt: "Durch den EP-Teiler bekommt auch der Rest des Teams Erfahrungspunkte." Eine weitere kleine Verbesserung: Die herumliegenden Pokébälle, in denen TMs versteckt sind, sind nun gelb - so erkennt ihr schon aus der Ferne, für was sich möglicherweise auch ein etwas umständlicherer Umweg lohnen könnte.

Auf dem Touchscreen findet ihr das PPS, das Player Search System. Hier werden euch nicht nur eure Freunde angezeigt, sondern auch Bekannte, die ihr zwar nicht auf eurer Freundesliste habt, mit denen ihr aber bereits einmal getauscht oder gekämpft habt. Zudem bietet euch das Spiel eine zufällige Auswahl fremder Trainer aus der ganzen Welt an. Ihr könnt euch das Profil dieser Spieler ansehen, und auch ihre Trainer-Promo, ein 10-sekündiger Clip, den ihr in Illumina City produzieren könnt. Bei Bedarf lassen sich all diese Spieler mit einem einzigen Klick zu einem Kampf oder Tausch einladen, ohne dass ihr euch vorher mühsam in einem Pokémon Center einloggen müsst - eine super Verbesserung! Ebenfalls auf dem Touchscreen ist das PokéMonAmi untergebracht. Hierbei handelt es sich um ein französisches Wortspiel, denn "mon amie" ist Französisch für "mein Freund" - aber gerade in Frankreich wird dieses schön Wortspiel nicht verwendet, stattdessen heißt das PokéMonAmi dort "Poké Recre", was so viel wie "Pokémon-Pause" bedeutet - "Pause" im Sinne von "Schulpause". Im PokéMonAmi könnt ihr mit euren Pokémon interagieren, sie streicheln und Minispiele mit ihnen spielen: Beerenernte, Kopfball oder Puzzle-Platte. Diese erinnern vom Stil her ein wenig an den Pokéathlon aus Heart Gold & Soul Silver, machen zwischendurch immer wieder mal Spaß, und ein schöner Nebeneffekt ist, dass die Freundschaft der Pokémon, mit denen ihr spielt, deutlich steigt.

Wer eher auf Kämpfe steht, dem werden drei neue Kampftypen angeboten. Himmelskämpfe finden hoch in der Luft statt, an ihnen können nur Flug-Pokémon sowie solche mit der Fähigkeit Schwebe teilnehmen. Einige Trainer in der Spielwelt fordern euch zu Himmelskämpfen heraus, diese sind aber alle optional und nicht für die Story entscheidend. In der Wildnis kann es nun zu Massenbegegnungen kommen, die eine Steigerung der wilden Doppelkämpfe aus Schwarz & Weiß sind: Hier greifen euch nun gleich fünf Pokémon gleichzeitig an. Leider ist das einer der wenigen Kritikpunkte des Spiels, denn wir finden die Massenbegegnungen nicht spannend, sondern eher nervig. Anstatt das ganze Team loszuschicken, schickt ihr nur ein einziges Pokémon in den Kampf. Aufgrund der Überzahl sind die wilden Pokémon vom Level her stark im Nachteil, greifen euch aber mit schwachen Attacken an, was viele wegzuklickende Textboxen bedeutet, und nachdem ihr langwierig vier Pokémon erledigt habt, dürft ihr das fünfte endlich fangen. Uns erinnert das ein wenig an die berühmten Angler mit sechs Karpadors. Umso spannender ist der dritte neue Kampftyp, der Umkehrkampf. Hier wird alles durcheinander geworfen, was ihr bisher über Pokémon wusstet, und Live-Umdenken ist gefordert! Leider ist ein solcher Kampf online nicht möglich, und auch im Hauptspiel ist er uns nur an einer einzigen Stelle untergekommen, und zwar auf Route 18.

Wir könnten noch so lange über Pokémon X & Y schwärmen, aber die Sendezeit ist leider begrenzt. Dabei hat sich Game Freak noch so viele nette kleine Ideen einfallen lassen. An einigen Punkten in der Spielwelt könnt ihr jetzt etwa auf bestimmten Pokémon wie Rihorn oder Mähikel reiten. Das neue Schmetterlings-Pokémon Vivillon existiert für jedes Land mit einer eigenen Farbe, insgesamt sind 13 Varianten bekannt - um sie alle zu erhalten, müsst ihr also in großem Stil international tauschen! Spricht euer Protagonist mit einem Kind oder mit einem kleinen Pokémon, beugt er sich herunter, und die Vorschüler, die euch von Zeit zu Zeit zum Kampf herausfordern, sprechen richtig süß mit gewollten Rechtschreibfehlern. Das einzige Manko, das es zum Schluss festzuhalten gibt, ist die Tatsache, dass ihr bislang noch nicht eure Pokémon aus alten Editionen nach Kalos importieren könnte. Das ändert sich im Dezember, wenn die 3DS-Download-Software Pokémon Bank erscheint. Für einen geringen jährlichen Beitrag dürft ihr dann bis zu 3000 Pokémon sowohl vom Schwarz & Weiß als auch von X & Y online speichern, und auf diese Weise können die Pokémon dann auch von Einall nach Kalos übertragen werden. Bis dahin versuchen wir, die neuen Pokémon der 6. Generation zu komplettieren, was bei 69 Exemplaren ja nicht allzu langwierig sein sollte, und wir werden zweifelsfrei jede Minute genießen. Schnappt sie euch alle - alle 718 Stück!


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