POKÉMON SONNE & MOND

Es ist so weit: Mit Pokémon Sonne & Mond ist die 7. Pokémon-Generation an den Start gegangen! Die Spiele wurden am 27. Februar 2016 pünktlich zum 20. Geburtstag des Pokémon-Franchise erstmals angeteasert und sind sieben Monate später endlich erschienen - in Japan und den USA am 18. November, bei uns fünf Tage später am 23. November. Wie bereits die Vorgänger-Editionen X & Y und Omega Rubin & Alpha Saphir erschienen auch Sonne & Mond wieder für den Nintendo 3DS, bringen aber einige Änderungen in der Spielmechanik mit sich.

Es beginnt schon damit, dass Alola im Gegensatz zu den vorherigen Regionen keine zusammenhängende Landmasse ist, sondern ein Inselreich aus vier mittelgroßen Eiländern, die jeweils bestenfalls drei Städte fassen. Diese Geographie erinnert ein wenig an die Orange-Inseln aus der 2. Staffel der Anime-Serie. Reale Vorlage für Alola ist Hawaii, ein Inselstaat im Pazifik und seit 1959 der 50. Bundesstaat der USA. Diese Anspielung wird auch durch den Namen der Region unterstrichen, denn der Name "Alola" erinnert nicht zufällig an den hawaiianischen Gruß "Aloha". Und so wird auch in Alola die Grußformel "Alola" überall verwendet.

Während Ash, Misty und Tracey damals im Anime immer auf Ashs Lapras von Insel zu Insel gepilgert sind, seid ihr auf Alola zunächst von den Fährverbindungen abhängig. Dazu gibt es auf jeder Insel einen Fährhafen, von wo aus ihr jederzeit zu einer anderen der bereits bekannten Inseln übersetzen lassen könnt. Auf Wasser-Pokémon könnt ihr die Strecke nicht überwinden, später gelangt ihr aber zumindest fliegend sehr schnell von Insel zu Insel. Das bringt uns aber zu einer weiteren Neuerung: Die VMs wurden gestrichen - Attacken wie Fliegen oder Surfer existieren zwar noch, sind aber nur noch ganz normale Angriffe ohne Oberwelt-Funktion. Als Ersatz dient das PokéMobil, ein kleines Funkgerät, das ihr früh im Spiel erhaltet. Dieses könnt ihr nutzen, um ein hilfreiches Pokémon jederzeit herbei zu rufen. Anfangs ist das lediglich ein Tauros, auf dem ihr schnell reiten könnt (vergleichbar mit dem Fahrrad) und das Felsen mit seinem harten Schädel zerschmettern kann (vergleichbar mit Zertrümmerer). Später gesellen sich noch sechs weitere PokéMobil-Pokémon hinzu, etwa ein Machomei als Stärke-Ersatz, ein Lapras zum Überwinden von Wasser oder ein Glurak, auf dem ihr fliegen dürft. Die PokéMobil-Pokémon nehmen somit keinen wertvollen Platz im Team weg, können im Gegenzug allerdings auch gar nicht im Kampf eingesetzt werden und befüllen auch nicht euren Pokédex.

Apropos Pokédex: Euer Pokédex auf Alola ist kein totes Gerät mehr, sondern ein waschechtes lebendes Rotom! Das kleine Geist-Pokémon ist ja dafür bekannt, in alle möglichen technischen Geräte zu schlüpfen, warum also nicht auch mal in einen Pokédex? Das Rotom nimmt seine Aufgabe auch sehr ernst und plaudert mit euch ein wenig über den Spielverlauf - wovon sich manche Spieler genervt fühlen, vermutlich erinnert es sie zu sehr an Navi aus "Zelda: Ocarina of Time". Ich persönlich finde das Pokédex-Rotom aber doch ganz charmant, und wenn ich gerade keine Lust auf sein Gequassel habe, dann muss ich ja auch nicht auf den unteren Bildschirm schauen, oder?

Neben seiner ursprünglichen Funktion als Pokémon-Nachschlagewerk bringt der neue Pokédex jetzt auch eine Kamera-App mit. Damit könnt ihr an bestimmten Stellen Fotos von wilden Pokémon in ihrer natürlichen Umgebung schießen und diese später auf eurer SD-Karte speichern - "Pokémon Snap" lässt grüßen! Viel wichtiger ist aber die Möglichkeit, QR-Codes zu scannen, um weitere Pokédex-Einträge freizuschalten. Dabei wird prinzipiell jeder erdenkliche QR-Code erkannt, aber bei unbekannten Codes bleibt es eine Überraschung, welches Pokémon dahinter steckt. Scannt ihr zehn Codes am Tag, schaltet ihr außerdem den Insel-Scanner frei, der ein besonders seltenes Pokémon für eine Stunde an einem bestimmt Ort lokalisiert. Dann könnt ihr dort hin stürmen und versuchen, es zu schnappen.

Nun aber zu den wichtigsten Neuerungen, nämlich zum eigentlichen Spielverlauf. Dieser überzeugt sowohl mit wichtigen Änderungen im Gameplay als auch mit einer sehr interessanten Story. Das Spiel beginnt bereits mit einer sehr viel versprechenden Zwischensequenz, in der die zierliche Lilly in irgendeiner botanischen Anlage vor irgendwem flieht. Hat das etwas mit dem Besitzer der geheimnisvollen Augen zu tun, die aus Lillys Tasche hervor blinzeln? Was immer da drin ist, scheint ungeahnte Kräfte zu haben, jedoch wird die mächtige Attacke gerade nur so eben angedeuten, bevor wir uns im Titelbildschirm wiederfinden.

Bis wir wissen, was wirklich dahinter steckt, wird noch ein wenig Zeit vergehen, denn jetzt sind wir - als Einwanderer aus Kanto - erst einmal frisch in Alola angekommen und haben zusammen mit unserer Mutter und einem Haustier-Mauzi ein Strandhaus auf der idyllischen Insel Mele-Mele bezogen. Recht bald werden wir von Professor Kukui abgeholt, um unser eigenes Pokémon zu erhalten. Bevor es so weit ist, treffen wir aber zunächst Lilly wieder, die jetzt ebenfalls hier auf Mele-Mele gelandet ist. Wir erfahren, dass in ihrer Tasche ein unbekanntes, aber niedliches kleines Pokémon mit dem Spitznamen "Wölkchen" steckt und stürzen beim Versuch, Wölkchen vor einem Schwarm Habitaks zu retten, in die Tiefe - werden dann aber von Kapu-Riki, dem Schutzpatron der Insel, gerettet.

Kurz darauf ist endlich so weit, wir dürfen unser erstes eigenes Pokémon auswählen. Da ist zum einen Bauz, eine rundliche kleine Pflanzen-Eule, die später möglicherweise geisterhafte Züge annehmen könnte. Starter Nr. 2 ist das süße Feuer-Kätzchen Flamiau, das zu einem finsteren Tiger heranwachsen kann. Als drittes und letztes steht der kleine Seehund Robball zur Wahl, der letztlich zu einer anmutigen Meerjungfee wird. Mit einem dieser Pokémon an eurer Seite, könnt ihr euch nun aufmachen, um die große Inselwanderschaft zu bestehen.

Die Inselwanderschaft ist eine Herausforderung, der sich in Alola jedes Kind ab 11 Jahren stellen kann. Sie ersetzt die klassische Pokémon-Reise, denn herkömmliche Pokémon-Arenen findet ihr in Alola nicht. Stattdessen findet ihr auf jeder Insel bis zu drei Prüfungsstätten, in denen ihr eine abwechslungsreiche kleine Aufgabe lösen müsst. Habt ihr das geschafft, müsst ihr außerdem noch das übermächtige Herrscher-Pokémon bezwingen, um die Inselprüfung tatsächlich zu bestehen. Und nachdem ihr alle Prüfungen einer Insel absolviert habt, müsst ihr zuletzt noch den Inselkönig im Kampf bezwingen, bevor ihr eure Reise fortsetzen dürft.

Was euch in diesen Kämpfen das Leben ein wenig erleichtern könnte, sind die neuen Z-Attacken. Sie ersetzen in der 7. Generation quasi die Mega-Entwicklungen aus der 6. Generation. Einmal pro Kampf könnt ihr eine übermächtige Z-Attacke einsetzen - vorausgesetzt, euer Pokémon trägt den passenden Z-Kristall! Die meisten dieser Edelsteine erhaltet ihr als Belohnung nach einer Inselprüfung, einige findet ihr aber auch einfach so in der Spielwelt. Es gibt Typ-spezifische Z-Kristalle, die ihr jedem Pokémon mit einer Attacke des entsprechenden Typs in die Pfoten drücken könnt, aber auch Pokémon-spezifische Z-Kristalle, die ihr wirklich nur diesem einen Pokémon geben könnt. Das Event-Mampfaxo, das im Moment noch verteilt wird, bringt etwa einen Z-Kristall mit, durch den nur Relaxo die mächtige Attacke "Schluss mit lustig" einsetzen kann. Das Schönste an den Z-Kristallen ist, dass sie vervielfacht werden, wenn ihr sie einsetzt. Es genügt also, nur einen einzigen Botanium Z zu finden, um alle eure Pflanzen-Pokémon damit ausstatten zu können.

Der Pokémon-Gesamtbestand erhöht sich in mit der 7. Generation auf genau 800 regulären Exemplare, wo aber die geheimen Event-Pokémon noch nicht mitgerechnet sind. Das erste von ihnen, Magearna mit der Nummer 801, erhaltet ihr ab 5. Dezember (also ab heute), den dazu nötigen QR-Code findet ihr in der Pokémon TV-App. Allerdings trat Magearna bereits im 19. Pokémon-Kinofilm "Volcanion und das mechanische Wunderwerk" in Erscheinung, der auch schon vor drei Wochen auf Nickelodeon ausgestrahlt wurde.

Neue Typen (wie zuletzten den Fee-Typ in der 6. Generation) gibt es ebenso wenig, wie Vor- oder Weiterentwicklungen altbekannter Pokémon. Dafür kommen einige alte Pokémon jetzt in einer neuen und mitunter sehr interessanten Alola-Form daher. Kokowei beispielsweise hat dank des tropischen Inselklimas einen deutlichen längeren Hals und erinnert dadurch viel mehr an eine stolze Kokospalme. Der süße Feuer-Fuchs Vulpix ändert in Alola seinen Typ um 180 Grad und begegnet euch nun in einer schneeweißen Eis-Version.

Wie gehabt, könnt ihr all diesen Pokémon im hohen Gras begegnen. Schwächt ihr sie weit genug, könnt ihr schließlich versuchen, sie mit einem Pokéball einzufangen - das kennt man ja! Neu ist allerdings, dass angeschlagene wilde Pokémon nun um Hilfe rufen können. Das sorgt für mehr Realismus, schließlich würde auch ein echtes Tier schreien, wenn es angegriffen wird. Als Hilfe kann (muss aber nicht) dann ein zweites Exemplar des wilden Pokémon auftauchen, mit etwas Glück (oder Pech, je nachdem wie man's sieht) auch eine stärkere Weiterentwicklung. Die Hilferufe sind ein interessantes neues Feature, es kann aber freilich nerven, wenn man ein wildes Pokémon fangen will und das einfach nicht kann, weil das Mistvieh dauernd Hilfe herbei ruft. Denn so lange euch zwei Pokémon gegenüber stehen, könnt ihr keine Pokébälle werfen. Wenn ihr nun aber eins von beiden umhaut, das andere dann direkt um Hilfe ruft und sofort neue Verstärkung auftaucht, bevor ihr ein Item auswählen könnt, dann dreht ihr irgendwann doch die Augen zum Himmel.

Es gibt noch viele weitere Verbesserungen am Spiel, einige davon stecken im Detail. So hört ihr etwa, wenn ihr auf Routen unterwegs seid, neben der regulären Hintergrundmusik auch die Rufe der wilden Pokémon, die hier leben - ein hübsches Detail. Pokémon, die ihr als Geschenk erhaltet, können nun direkt an eine Box gesendet werden, so dass ihr nicht mehr vorher in ein Pokémon Center rennen müsst, um manuell eins eurer Team-Pokémon abzulegen. Die gesamte Präsentation des Spiels ist sehr gelungen, sowohl inhaltlich, als auch visuell und akustisch. Schade ist nur, dass der 3D-Effekt nicht verwendet wird, jedoch weiß die Grafik auch in 2D sehr zu überzeugen. Erwähnenswert ist auch die Tatsache, dass die beiden Editionen um 12 Stunden zeitversetzt sind: Während sich Sonne exakt nach der im 3DS eingestellten Uhrzeit richtet, ist Mond um einen halben Tag verschoben - tagsüber ist es also dunkel, mitten in der Nacht dagegen hell. Je nachdem, wann ihr in der Regel zockt, kann das ein Fluch oder ein Segen sein - man munkelt aber, dass es Möglichkeiten geben könnte, die Zeit später umzukehren. Anlass zu geringer Kritik bietet lediglich die Online-Funktion, die Freunde und Zufallsbegegnungen in die gleiche unübersichtliche Liste wirft. So ist es nicht immer leicht, den gewünschten Tauschpartner online zu finden und sich gleichzeitig gegen die Herausforderungen von angriffslustigen Unbekannten zu wehren.

Nichtsdestotrotz sind Sonne & Mond für uns die bislang besten Pokémon-Edition. Auch nach Abschluss der Hauptstory erwartet uns noch eine kleine Nebenstory um geheimnisvolle "ultrastarke" Pokémon, ansonsten können wir noch versuchen, den Aloladex zu füllen oder im Kampfbaum zu bestehen, um letztlich zwei gaaanz alte Bekannte herausfordern zu dürfen. Ob langjähriger Pokémon-Fan oder Neueinsteiger: Wir empfehlen Sonne & Mond für alle weiter, die Lust auf ein kurzweiliges Inselabenteuer haben. Macht euch bereit für die große Inselwanderschaft und: Schnappt sie euch alle!


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