POKÉMON PICROSS

Kurz vor Jahresende, am 3. Dezember 2015, kam der dritte und bislang letzte Free-to-Play-Pokémon-Titel in den eShop. Dabei weiß das Gameplay an sich absolut zu überzeugen, der Micro-Transaktionen-Faktor ist hier aber der nervigste von allen Free-to-Play-Spielen mit den kleinen Monsterchen.

Aber fangen wir erstmal mit dem Gameplay an: Dieses basiert auf dem japanischen Rätsel "Nonogramm" und wurde bereits Mitte der 90er Jahre mit "Mario's Picross" auf dem Gameboy versoftet. Das Spielprinzip hat Flo ja schon vor zwei Wochen in "MMM" behandelt, aber trotzdem nochmal in Kurzfassung: Ihr seht vor euch ein Feld, das aus mindestens 5 x 5 und maximal 20 x 15 Pixeln bestehen kann. Am Rand stehen Zahlen, z.B. "3 5", und das bedeutet dann, dass ihr irgendwo in dieser Reihe (nicht zwingend direkt am Anfang) zunächst drei Pixel ausfüllen müsst, dann kommt eine nicht bekannte Anzahl an leeren Feldern, bevor noch einmal fünf Pixel am Stück ausgefüllt werden müssen. Um die Rätsel zu lösen, müsst ihr die Zahlen für die Zeilen und Spalten richtig miteinander kombinieren, wodurch dann mit der Zeit ein kleines Motiv entsteht - in der Pokémon-Variante eben ein kleines Pokémon-Bildchen.

Neu und Pokémon-typisch ist an "Pokémon Picross", dass ihr mit jedem gelösten Rätsel das dahinter steckende Pokémon fangt. Dieses könnt ihr dann einem Team aus maximal fünf Pokémon hinzufügen, die mit ihren Fähigkeiten helfen können, die Rätsel zu lösen. Einige Pokémon decken beispielsweise zu Beginn des Rätsels eine Zeile oder Spalte komplett auf, was einen leichteren Einstieg ermöglicht. Andere korregieren automatisch Fehler oder markieren die Reihen blau, die eindeutig bestimmbare Pixel enthalten, damit ihr sie nicht überseht. Etwas blöd ist nur, dass erfahrene Picross-Spieler die Hilfe durch die Pokémon eigentlich gar nicht brauchen. Trotzdem wird es in manchen Aufgabenstellungen verlangt, eine bestimmte Fähigkeit einzusetzen, so dass ihr als Profi-Spieler sogar eher benachteiligt seid als ein Anfänger.

Dabei sind die Aufgabenstellung wichtig, um die so genannten Picroits zu verdienen. Sie sind eine In-Game-Währung, und abgesehen von den Aufgaben, bei denen ihr sie euch verdienen könnt, besteht außerdem die Möglichkeit, sie mit Echtgeld zu erwerben - und genau darauf scheint es Nintendo auch anzulegen, denn wenn ihr euch nur mittels der Aufgaben über Wasser haltet, dann herrscht ein chronischer Picroit-Mangel. Ihr benötigt die Picroit nämlich nicht nur, um die nächsten Gebiete freizuschalten, sondern auch, um eure P-Leiste zu regenieren. Die P-Leiste ist nämlich die größte Unverschämtheit im Spiel: Sie sinkt kontinuierlich mit jedem Pixel, den ihr ausfüllt, und wenn sie leer ist, könnt ihr das Rätsel nicht zu Ende lösen - außer, ihr regeneriert eure P-Leiste mit teuren Picroits. Zumindest ist aber - wie schon bei "Pokémon Rumble World" - das Geld, das ihr ins Spiel stecken könnt, begrenzt: Nach 5000 gekauften Picroits, was rund 30 Euro entspricht, ist Schluss mit Geld ausgeben und ihr erhaltet alle weiteren Picroits kostenlos. Wer also wirklich vor hat, das Spiel über längere Zeit zu zocken, der kann ein Pseudo-Vollpreis-Spiel draus machen, indem er direkt 30 Euro hinein steckt, um sich danach nie mehr Gedanken über den finanziellen Aspekt zu machen.

Wem es aber ausschließlich um das Spielprinzip geht, ohne dabei die Pokémon-Thematik zu brauchen, der kann es ohnehin billiger haben: Auf der Virtual Console gibt es den Gameboy-Klassiker "Mario's Picross", außerdem erscheint im 3DS-eShop seit September 2012 alle halbe Jahre ein Teil der Reihe "Picross e", wovon bis jetzt sechs Ableger erschienen sind. Diese bieten zwar nur allgemeine Motive und verzichten auf die Pokémon-Fähigkeiten, was dem Spielspaß aber keinen Abbruch tut.

Vom Gameplay her ist "Pokémon Picross" für Rätselfreunde absolute empfehlenswert, das Preis-Leistungs-Verhältnis stimmt aber leider hinten und vorne nicht. Da hilft auch der Alternativ-Modus nichts mehr, der zwei Reihen zu einer Mega-Reihe zusammenfügt, wodurch das Spiel noch mal eine Stufe schwieriger wird. Mal reinschnuppern lohnt sich, für längerfristigen Spielspaß würde ich aber eher "Mario's Picross" empfehlen - außer, die Pokémon-Thematik ist euch wichtig, dann kommt ihr um "Pokémon Picross" nicht herum.

Zuletzt aber noch ein kleiner Fun Fact: Erstmals angekündigt war "Pokémon Picross" bereits im Jahr 1999, als bei uns in Deutschland gerade mal die erste Generation an den Start ging. "Pokémon Picross" hätte damals als geistiger Nachfolger von "Mario's Picross" für den Gameboy Color erscheinen sollen und hätte sogar die Möglichkeit unterstützt, die Puzzles mit dem Gameboy Printer auszudrucken. Aus unbekannten Gründen wurde das Spiel damals aber gecancelt und erst jetzt, 16 Jahre später, wieder hervor gekramt. Also vergesst "Duke Nukem Forever", bei "Pokémon Picross" war der Zeitraum zwischen Erstankündigung und Erscheinungstermin noch größer - nur war dieses Spiel nicht über all die Jahre immer wieder im Gespräch.


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