POKÉMON OMEGA RUBIN & ALPHA SAPHIR

Vor wenigen Tagen kamen Pokémon Omega Rubin & Alpha Saphir auf den Markt: In Europa am 28. November 2014, im Rest der Welt bereits eine Woche zuvor, also am 21. November. Es handelt sich um ein Remake der dritten Generation, allerdings mit der Technik der sechsten Generation.

Die ursprünglichen Spiele Pokémon Rubin & Saphir erschienen im November 2002 in Japan und im Juli 2003 bei uns, damals noch für den Gameboy Advance. Natürlich waren es sehr gute Spiele, dennoch floppten sie - zumindest für Pokémon-Verhältnisse! (Also, die Verkaufszahlen und Kritiken waren natürlich super, aber eben nicht ganz so gut wie bei den anderen Editionen.) Ein Grund dafür könnte sein, dass damals aufgrund von Änderungen im EV/DV-System keine Pokémon aus der zweiten Generation nach Hoenn geholt werden konnten, so dass alle Spieler komplett von vorne anfangen mussten. Dieses Problem besteht jetzt beim Remake glücklicherweise nicht mehr: Der Datenaustausch zwischen X & Y und Omega Rubin & Alpha Saphir verläuft problemlos, und dank Pokémon Bank kann man auch die Pokémon aus Schwarz & Weiß leicht importieren. Im Lauf der Jahre über alle Generationen durch getauscht, ist somit jetzt auch Chikos altes Kyogre "Atlantis" wieder zu Hause: Es wurde vor rund 11 Jahren in der Original-Saphir-Edition gefangen und später auf Blattgrün übertragen. Über den Park der Freunde zog es auf die Diamant-Edition ein, und später wechselte es auf Heart Gold - dass es dort ein neues Kyogre zu fangen gab, kümmerte Chiko wenig. Der PokéShifter katapultierte Atlantis nach Einall, und von dort war es auch kein grosser Schritt mehr in die sechste Generation. Welcome home in Hoenn, Atlantis!

Zu Beginn werden aber natürlich noch keine Pokémon importiert: Los geht's, wie gehabt, mit Geckarbor, Flemmli und Hydropi! Ihr seid gerade in eurer neuen Heimat Wurzelheim angekommen und müsst sogar noch ganz stilecht die Uhr in eurem Zimmer einstellen, doch dann passiert es: Hilfeschreie von Route 101! Professor Birk ist in Gefahr, ein wildes Fiffyen hat ihn angegriffen! Ihr wählt einen der drei Pokébälle aus der Tasche des Professors aus und nutzt seinen Inhalt, um das kleine Hündchen ruhig zu stellen. Zum Dank für seine Rettung schenkt euch Professor Birk im Anschluss das Pokémon, so dass ihr nun zu eurer Reise aufbrechen könnt. Dabei bringt es euch absolut keinen nennenswerten Vorteil, dass euer Vater persönlich die Arena von Blütenburg City leitet.

Neben dem üblichen Pokémon-Gameplay (Arenaleiter besiegen, Orden sammeln, am Ende die Top Vier besiegen) bietet Pokémon Omega Rubin & Alpha Saphir als zusätzliche Herausforderung die Wettbewerbe - diese gab es auch schon im Original vor 11 Jahren, wurden danach aber nie mehr in eine neue Edition übernommen. Die Wettbewerbe sind eine Art friedliche Alternative zu Pokémon-Kämpfen: Die Pokémon greifen sich mit ihren Attacken nicht gegenseitig an, sondern führen die Angriffe vor Publikum aus, um Punkte für Schönheit, Anmut oder Eleganz zu ernten. Einige Attacken haben freilich Nebenwirkungen, mit denen ihr euch einen Vorteil herausarbeiten könnt. Wer nach fünf Runden die meisten Herzchen gesammelt hat, ist der Sieger. Allerdings sind die Wettbewerbe, im Gegensatz zu den Arenen, eine freiwillige Beigabe und kein Pflichtprogramm.

Für zusätzliche Unterhaltung abseits von Story, Arenen und Wettbewerben sorgen die Geheimbasen: Auch sie gab es bereits im Original, nun wurden sie aber geupgradet und heissen daher jetzt Super-Geheimbasen. In bestimmen Höhlen oder Bäumen könnt ihr euch häuslich einrichten, inklusiven Möbeln und kleinen Pokémon-Puppen. Wer euch von nun an per Street Pass begegnet, bekommt eure Geheimbasis auf sein Spiel übertragen - und ihr die seinige! Nun könnt ihr euch auf die Suche machen und versuchen, die Geheimbasis aufzustöbern. Habt ihr sie gefunden, könnt ihr den Bewohner zum Kampf herausfordern. Besonders cool ist, dass es dafür sogar Erfahrungspunkte gibt, und dass gesehene Geheimbasis-Pokémon auch tatsächlich als "gesehen" in den Pokédex eingetragen werden. Noch cooler ist, dass sich die Geheimbasen auch per QR-Code verbreiten lassen - so müsst ihr euch nicht zwingend persönlich begegnen, wenn ihr weiter entfernt lebende Internet-Bekanntschaften im Spiel besuchen wollt. Schade ist allerdings, dass nur maximal drei Pokémon in jeder Geheimbasis antreten, im Original konnte man damals noch gegen das gesamte Team kämpfen. Zumindest die Level-Begrenzung lässt sich später deaktivieren, so dass durchaus fordernde Kämpfe gegen gut trainierte Level-100-Monster möglich sind.

Was in Omega Rubin & Alpha Saphir auf den ersten Blick fehlt, sind neue Routen: In Feuerrot & Blattgrün gab es ja die Seevi Islands südlich von Kanto, und in Heart Gold & Soul Silver wurde westlich von Johto noch ein kleines Klippengebiet angebaut, das zur Safari-Zone führte. In Omega Rubin & Alpha Saphir gibt keine Routen-mässige Erweiterung der Hoenn-Region, dennoch heisst das nicht, dass ihr euch auf die alten Grenzen beschränken müsst. Die neuen Abenteuer spielen sich nämlich in der Luft ab: Nachdem ihr je nach Edition entweder Latios oder Latias erhalten habt, bekommt ihr zusätzlich auch die Äon-Flöte. Diese könnt ihr nutzen, um das legendäre Pokémon jederzeit herbei zu rufen - auch, wenn es sich in der Box befindet, kommt es angerauscht und trägt euch auf seinem Rücken über Hoenn. Ihr könnt nun jeden bestimmten Ort der Weltkarte ansteuern, wobei besonders die Punkte interessant sind, die zu Fuss nicht zugänglich sind. Hier könnten sich nämlich zusätzliche Pokémon befinden, die bisher in Hoenn nicht vorkamen - vielleicht sogar das eine oder andere Legendäro?

Ausserdem wird das Abenteuer nach Abschluss der Hauptstory mit der Delta-Episode noch ein wenig fortgesetzt - zwar an altbekannten Orten, aber mit einem neuen Story-Abschnitt. Dieser erzählt von einem Meteoriten, der auf Hoenn zurast, und von der geheimnisvollen Drachen-Trainerin Amalia. Auch Mega-Rayquaza spielt dabei eine Rolle, und es ist erstmals möglich, ein Event-Pokémon im regulären Spielverlauf zu fangen. Im Vergleich zum Haupt-Abenteuer ist die Delta-Episode zwar nicht allzu umfangreich, sorgt aber doch dafür, dass man nach dem Nachspann noch ein gutes Stündchen lang weiter beschäftigt wird, bevor das Abenteuer wirklich zu Ende ist - und selbst dann steht natürlich immer noch das Komplettieren des Pokédex an!

Weitere kleine und grosse Verbesserungen stecken im Detail, fallen aber positiv auf: Auf einigen Routen fliegen nun kleine Pokémon wie Papinella oder Wingull über euch hinweg, und in den Wasserpfützen spiegelt sich bei Nacht der Sternenhimmel. Seid ihr selbst unter Wasser unterwegs und beginnt dort einen Kampf, fliegt euer Pokéball richtig schön schwerfällig, wie es eben unter Wasser so ist. Das ohnehin schon völlig overhypete Pikachu steht mit neuen Cosplay-Formen im Mittelpunkt der Wettbewerbe, aber man muss ihm lassen, dass es in seinen Kostümen wirklich schräg aussieht. Und wem die bisherigen Pokémon-Editionen immer zu leicht waren, der darf sich freuen: Spätestens der zweite Durchgang der Top Vier hat es in sich! Chiko hätte hier mit seinem normalen Durchzock-Team keine Chance mehr gehabt, da ist schon gutes Training vorab nötig!

Euer kleiner Helfer bei all diesen Herausforderungen ist der Poké-Multi-Navi, der mehrere Funktionen aus früheren Editionen in sich vereint und auch noch ein paar Neuerungen mitbringt. Aus X & Y bekannt ist das Player Search System, das euch in Sekundenschnelle mit Freunden und zufälligen Passanten verbindet, ebenso das Super-Training und das PokéMonAmi. Der Video-Navi ersetzt die News-Ticker aus den Stadttoren in Schwarz & Weiss: In eine Nachrichten-Sendung verpackt, erfahrt ihr allerhand mehr oder weniger nützliche Fakten über Pokémon und ihre Trainer. Der Karten-Navi ist im Grunde nur eine Karte von Hoenn - nützlich ist aber, dass ihr angezeigt bekommt, ob auf der aktuellen Route ein Trainer zu einem Rematch wartet oder ob sich dort eine Geheimbasis befindet. Der Pokédex-Navi hilft euch schliesslich, euren Pokédex zu komplettieren, indem er euch vage anzeigt, wie viele Pokémon der aktuellen Route euch noch in der Sammlung fehlen. Auch spezielle Exemplare, etwa mit besonderen Attacken, lassen sich auf diese Weise aufspüren - bei Chiko hat sich die Funktion bereits beim ersten Testlauf bewiesen: Das kleine Fiffyen mit Donnerzahn, das ich so auf Route 101 aufgestöbert habe, ist jetzt ein prächtiges Magnayen über Level 60 und haut mit seinem Donnerzahn voll rein.

Alles in allem ist Omega Rubin & Alpha Saphir ein mehr als gelungenes Pokémon-Spiel, das das Original-Rubin & Saphir um Längen toppt, und auch ein wenig besser als X & Y wirkt - es scheint fast so, als hätte Game Freak x & Y nur schnell rausgehauen, damit es eine neue Generation gibt, aber in Wirklichkeit ihre gesamte Energie in Omega Rubin & Alpha Saphir gesteckt. Obwohl wir das eigentliche Abenteuer bereits seit 11 Jahren kennen, müssen wir das Spiel als Pflichtkauf für jeden 3DS-Besitzer hervorheben. Neue alte Abenteuer in Hoenn warten auf euch!


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