POKÉMON MOBILE APPS

Der Release des lang erwarteten "Pokémon Go" letzte Woche in den USA und Australien war ein guter Anstoss für das heutige Thema: Pokémon Mobile Apps! Denn "Pokémon Go" ist zwar der wohl am sehnsüchtigsten erwartete Smartphone-Ableger der Pokémon, aber bei Weitem nicht der erste. Und deshalb gibt es heute den großen Überblick!

Die erste Begegnung der Pokémon mit dem Mobiltelefon fand bereits im Jahr 2000 statt, als die Kristall-Edition in Japan erschien. Viele Fans glauben, dass Pokémon Diamant & Perl die ersten online-fähigen Editionen waren. Das mag für den Rest der Welt stimmen, nicht jedoch für Japan, denn auch in der japanischen Kristall-Edition waren bereits Kämpfe und Tauschgeschäfte mit entfernten Freunden möglich. Aber eben, wie gesagt, nur in der japanischen Version! Verwendet wurde dazu ein spezieller Mobile Adapter für den Gameboy, der allerdings nur mit dem japanischen Handynetz kommunizieren konnte. Dennoch hatten die Pokémon hier bereits einen Einblick in das Mobilfunknetz gewagt, der Grundstein war also gelegt.

Die erste richtige Pokémon-App erschien Ende 2006, hat also jetzt auch schon fast 10 Jahre auf dem Buckel. Sie trug den Namen "PokéMate", übersetzt also "PokéKumpel", kam aber nur in Japan heraus. Entwickelt wurde "PokéMate", man höre und staune, von Square Enix, der Firma hinter "Final Fantasy" und "Kingdom Hearts". Allerdings ist "PokéMate" nicht ganz so episch wie das große Disney-RPG. Es handelt sich um eine Mischung aus Haustier-Simulation und Messenger: Zu Beginn des Spiels fangt ihr drei Pokémon, um die ihr euch dann kümmern dürft. Aufleveln oder gar Kämpfen ist allerdings nicht möglich - in Kontakt mit anderen Spielern kommt ihr nur, indem ihr Nachrichten an Freunde schickt.

"PokéMate" wird auch in Aufzählungen oft vergessen, so dass als erste Pokémon-App meist "Pokémon Say Tap?" genannt wird. Diese erschien, ebenfalls Japan-exklusiv, im Sommer 2011 und ist ein Musikspiel: Die Energie-Symbole aus dem Sammelkartenspiel sausen im Takt zu einem japanischen Pokémon-Song über den Bildschirm, und ihr müsst sie rechtzeitig antippen. Das klingt spaßig, das Problem ist nur, dass nur ein einziges Lied im Spiel enthalten ist: "Pokémon Ierukana? BW" von Takeshi Tsuruno, eine Art japanischer PokéRap zur 5. Generation. Nachdem Pokémon Schwarz & Weiß nur ein Vierteljahr früher erschienen war, sollte das Spiel also vermutlich einfach die neuen Pokémon bewerben.

Einen Rundum-Überblick über alle alten und neuen Pokémon gab es ab Ende 2012 mit dem "Pokédex für iOS". Bereits zuvor waren einige von Fans produzierte Pokédexe im AppStore aufgetaucht, dieses war nun aber der erste offizielle. Er ähnelt optisch dem "Pokédex 3D", enthält, aber im Standard-Lieferumfang lediglich die Pokémon der 5. Generation. Die Daten der Pokémon aus Generation 1 bis 4 müsst ihr als kostenpflichtigen DLC nachkaufen, zum stolzen Preis von 5,49 Euro - pro Generation, wohlbemerkt! Und selbst, wer sich dadurch noch nicht verschrecken ließ, ärgert sich jetzt vermutlich darüber, dass es niemals ein Update für die 6. Generation gab. Zumindest die beiden Event-Pokémon Meloetta und Genesect wurden nach ihrer Enthüllung per Passwort nachgereicht.

Keine solche Geldmacherei war dagegen "Pokémon TV": Diese Video-App erschien Anfang 2013 und gibt euch die Möglichkeit, Pokémon-Anime-Episoden und auch Filme gratis und legal unterwegs zu genießen. Das Angebot ist identisch mit der Video-Rubrik auf der offiziellen Pokémon-Webseite, derzeit steht beispielsweise der 11. Kinofilm "Giratina und der Himmelsritter" online.

Ende 2014 erschien im japanischen AppStore eine Minispielsammlung mit dem Titel "Camp Pikachu". Damals wurde das Spielchen wenig beachtet, bis im April 2016 überraschend der westliche Release unter dem Titel "Pokémon Ferienlager" folgte. Seitdem können sich auch deutsche Fans am Pokéball-Weitwurf probieren oder ein Pokémon im dichten Gehölz aufspüren. Man merkt aber doch, dass sich die App eher an Kinder richtet.

Für mehr Dauerspaß sorgt "Pokémon Shuffle", ein Puzzle mit regelrechtem Suchtpotential. Das Spiel war bereits Anfang 2015 für den Nintendo 3DS erschienen und kam knapp ein Jahr später auch für Smartphones heraus. Ihr seht vor euch einen bunt gemischten Haufen von Pokémon-Köpfen und könnt pro Spielzug zwei von ihnen vertauschen - jedoch nur, wenn ihr dabei drei gleiche in eine Reihe bringen könnt! Diese lösen sich dann in Wohlgefallen auf, was durchaus auch Kettenreaktionen nach sich ziehen kann. Wie gesagt, das Spiel selbst macht süchtig. Schade ist nur die eingebaute Bremse in Form von maximal fünf Gratis-Runden pro Tag: Wenn diese aufgebraucht sind, müsst ihr Echtgeld ausgeben oder warten. Ich persönlich hätte viel lieber einmalig einen Vollpreis bezahlt, um dann endlos drauf los zu zocken.

Mitte 2015 erschien die "Pokémon Jukebox", die aber leider im Gegensatz zu ihrer Schwester-App "Pokémon TV" eine Totgeburt war. Dabei ist die Idee, Pokémon-Musik via Smartphone zu hören, eigentlich ganz schön. Dass für die einzelnen Soundtrack eine geringe Gebühr verlangt wurde, ist natürlich nachvollziehbar, hielt aber womöglich viele potentielle Fans von der App fern. Denn die Pokémon-OSTs kann man genauso gut auf iTunes erwerben oder sogar auf CD aus Japan einfliegen lassen. Die so erstandene Musik lässt sich mit jeder MP3-Player-App genauso auf dem Handy hören, wodurch die "Pokémon Jukebox" leider überflüssig wird. Das erkannte dann wohl auch Nintendo, denn Ende Juni 2016 wurde die App schließlich eingestellt.

Ebenfalls zeitlich limitiert war das Japan-exklusive "Odoru? Pokémon Ongakutai". Ähnlich wie "Pokémon Say Tap?" ist auch "Odoru? Pokémon Ongakutai" ein Musikspiel, allerdings ein Tanzspiel. Durch das Antippen von Noten-Symbolen bringt ihr eure Pokémon zum Tanzen, wobei ihr zu drei verschiedenen Titeln das Tanzbeim schwingen könnt: Das damals aktuelle Anime-Opening "Mad-Paced Getter", das Ending "Roaring All-Stars" sowie das Wild Pokémon Battle aus Pokémon X & Y. Verfügbar war die App in Japan im Sommer 2015 als Werbemaßnahme zum 18. Kinofilm.

Im Februar 2016 war dann das 20-jährige Jubiläum der Pokémon da, und Fans aus aller Welt haben mitgefeiert. Anlässlich der Feierlichkeiten ging auch die #pokemon20-Webseite online, die Pokémon-Fotos von Fans sammelt. Passend dazu ging die App "Pokémon-Fotobude" an den Start, die es euch ermöglicht, Fotos mit witzigen Pokémon-Rahmen zu versehen. Denn wer findet es schließlich nicht reizvoll, seine Katze zu fotografieren und dann in Original-Gameboy-Grafik "A wild Cat appears!" einzublenden? Na also! ^^

Und es geht weiter mit Pokémon-Apps: Nur zwei Monate später, im April 2016, erschien das "Pokémon Trading Card Game Online" für Smartphones. Dieses war schon länger für den PC erhältlich, bietet jetzt aber auch Online-Sammelkarten-Duelle für unterwegs.

Gleichzeitig kam auch "Pokémon Co-Master" heraus, welches auf dem ungleich unbekannteren Sammelfigurenspiel basiert, das es vor zehn Jahren auch in Europa gab. Die App schaffte es bisher leider nicht nach Europa, aber wer weiß, die Hoffnung stirbt zuletzt.

Und auch "Pokémon Go", der aktuellste Titel, ist bislang nicht in Europa erhältlich, was aufgrund von Server-Problemen auch noch auf unbestimmte Zeit so bleiben wird. In den USA und Australien wurde das Spiel hingegen am 6. Juli 2016 freigeschaltet. Auf Umwegen ist allerdings auch das Spielen in Europa bereits möglich, und Europa ist auch bereits mit wilden Pokémon bevölkert. Als neuer Trainer fangt ihr zunächst euren Starter - Bisasam, Glumanda, Schiggy oder Pikachu - und zieht dann durch die Weltgeschichte, um eure Sammlung zu maximieren. Dabei ist die Besonderheit, dass ihr eben tatsächlich unterwegs seid, und nicht nur als virtuelle Spielfigur. Zwar können euch vereinzelte Pokémon durchaus auch zu Hause besuchen, der Sinn ist es aber, durch Stadt und Land zu reisen und die Pokémon in freier Wildbahn anzutreffen. Auch Kämpfe gegen andere Spieler sind möglich, und besonders guten Trainern winkt sogar ein Posten als Arenaleiter. Ein umfangreicheres Review zu "Pokémon Go" folgt dann aber nach dem offiziellen westlichen Release in Flo's Sendung "MMM".


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