ZAUBERER BEI NINTENDO

Letzte Woche kündigte Niantic überraschend einen Nachfolger für "Pokémon Go" an: "Harry Potter: Wizards Unite" soll irgendwann 2018 erscheinen und wird die Spieler in der Rolle von Zauberschülern in der realen Welt auf die Suche nach phantastischen Tierwesen schicken. Dabei wird "Harry Potter: Wizards Unite", genau wie "Pokémon Go", seine Daten aus Niantics erstem AR-Game "Ingress" beziehen. Das heißt, wichtige Punkte in der Zauberwelt werden sich genau dort befinden, wo es jetzt schon PokéStops und Pokémon-Arenen gibt. Ich selbst bin mir noch unschlüssig, ob ich "Harry Potter: Wizards Unite" zusätzlich zu "Pokémon Go" spielen werden (denn "Pokémon Go" dafür aufgeben, kommt für mich nicht in Frage). Nichtsdestotrotz habe ich die Ankündigung als Anlass genommen, euch heute ein Auswahl wichtiger Magier in Nintendo-Spielen vorzustellen.

Natürlich war auch Harry Potter persönlich schon mehrmals auf den Nintendo-Konsolen zu Gast. Zwischen 2001 und 2011 erschien zu jedem der acht "Harry Potter"-Filme das passende Action-Adventure von Electronic Arts - anfangs noch für Gameboy Color und Gamecube, zuletzt für Nintendo DS und Wii. Außerdem gab es 2003 das ungewöhnliche Sportspiel "Harry Potter: Quidditch-Weltmeisterschaft", worin ihr selbst dem beliebten Zauberersport auf fliegenden Besen nachgehen könnt. Und auch in Legos NFC-Figuren-Spiel "Lego Dimensions" gibt es Harry Potter, seine Freundin Hermine und den böse Lord Voldemort als Figuren. Sie spielen allerdings in der Hauptstory keine Rolle, sondern wurden erst in der zweiten Staffel als zusätzliche Figuren veröffentlicht, mit denen ihr das Abenteuer bestreiten könnt.

Nun weg von Harry Potter: Normalerweise fange ich Texte wie diesen immer gern mit Beispielen aus der Pokémon-Welt an. Eine Trainerklasse Zauberer gibt es zwar - im Gegensatz zu Trainerklasse Hexe - nicht, dafür aber zumindest die Pokémon-Fähigkeit Zauberer. Diese bewirkt, dass euer Pokémon bei einem offensiven Angriff nebenbei auch das Item des gegnerischen Pokémon stehlen kann. Pokémon mit der Fähigkeit Zauberer sind Fynx samt seiner Entwicklungen, das Schlüssel-Pokémon Clavion sowie das legendäre Hoopa.

Apropos legendäre Pokémon: In "Pokémon Battle Revolution" auf der Wii tritt als letzter Endboss der Zauberer Mystikus gegen euch an, der sicher den einen oder anderen Trainer viele Nerven gekostet hat. Mystikus ist nämlich alles andere als leicht zu besiegen, da er mit einem Team aus sechs sehr gut trainierten legendären Pokémon gegen euch antritt. Und auch Ash muss gegen einen Zauberer antreten: In der Indigo-Liga, die am Ende der ersten Staffel stattfindet, ist der erstaunliche Mandy einer seiner Gegner. Er führt zunächst einen kleinen Zaubertrick mit Taubsis vor und setzt dann im Kampf Kokowei, Seemon und Golbat ein. Ash kann ihn aber mit seinem Krabby besiegen, das sich während dieses Kampfes auch zu Kingler weiterentwickelt.

Ein ebenso erfolgreiches RPG wie "Pokémon", ist natürlich "Final Fantasy". Dort gibt es Zauberer als Jobklasse. Bereits im Erstling existierten der Weißmagier, der Schwarzmagier und der Rotmagier. Während der Schwarzmagier auf destruktive Flüche setzt, ist der Weißmagier dessen genaues Gegenteil: Er nutzt Heilzauber, um eure Truppe zu genesen. Der Rotmagier schließlich ist eine Kombination aus Weiß- und Schwarzmagier, ist dafür aber in Endeffekt schwächer. Weitere Magietypen kamen dann in späteren Serienteilen noch hinzu.

Ebenfalls eine Jobklasse ist der Zauberer in "Fantasy Life", dem Lebenssimulations-RPG von Level-5, den Machern von "Professor Layton" und "Yo-Kai Watch". Zauberer ist dort einer von zwölf Lebenswegen, den ihr einschlagen könnt. Entscheidet ihr euch, geht ihr bei der magiebegabten schwarzen Katze Pokus in die Lehre. Beachtet dabei, dass es als Zauberer eure Aufgabe ist, aktiv durch die Spielwelt zu ziehen und mit dem Zauberstab gegen finstere Feinde anzutreten. Möchtet ihr hingegen lieber in der heimischen Hexenküche bleiben und Zaubertränke zusammenbrauen, müsst ihr stattdessen Alchemist werden. Eure Wahlheimat als Zauberer sollte übrigens die Wüstenstadt Al Maajik werden, da sich dort überdurchschnittlich viele Zauberläden befinden. Bereits beim ersten Betreten spürt ihr die mächtige Magie, die in den Straßen hängt.

Ihr braucht aber nicht zwingend Rollenspiele wie "Final Fantasy" oder "Fantasy Life", um selbst zum Zauberer zu werden - die schönen alten Comic-Jump'n'Runs für das Super Nintendo tun's genauso gut! In "The Magical Quest" mit Micky Maus ist der Zauberer neben Feuerwehrmann und Bergsteiger eines von drei Kostümen, in die der heldenhafte Mäuserich schlüpfen kann. In erster Linie kann Zauberer-Micky Energiebälle durch die Gegend schleudern, um Gegner aus dem Weg zu räumen. Nur kostet das leider Energie, die ihr nur durch das Einsammeln von Wunderlampen wieder auffüllen könnt. Außerdem habt ihr als Zauberer die Möglichkeit, aus Teppichen zu fliegen.

In anderen Comic-Spielen sind die Zauberer aber eher eure Gegner, meist sogar die Endbosse. So etwa in "Aladdin", wo ihr zum Schluss gegen böse Dschaffar antretet, der sich in eine Riesenschlange verwandelt hat. Und auch Gargamel, der Endboss in "Die Schlümpfe", ist laut den Original-Comics ein Zauberer, wenngleich das im Spiel nicht wirklich rüberkommt.

Zu den wichtigsten Jump'n'Runs gehören aber ohnehin nicht irgendwelche Comic-Umsetzungen, sondern ganz klar die "Super Mario"-Reihe. Dort gibt es den Koopa-Hexenmeister Kamek, der erstmals unter dem Namen Koopalini in "Super Mario World" auftrat. Er erwartet euch in verschiedenen Schlössern, taucht an den unpassendsten Orten auf und zaubert Blöcke ins Nirvana, ohne sich darum zu scheren, ob ihr die Blöcke vielleicht noch gebraucht hättet. Wenn ihr euch ihm aber nähert, löst er sich schnell in Luft auf, um bloß nicht getroffen zu werden.

Seine erste große Hauptrolle erfuhr Kamek in "Yoshi's Island", dem direkten Nachfolger von "Super Mario World". Dort ist es Kamek, der vor vielen Jahren die Vision hatte, dass zwei Klempnerbrüder später einmal großes Unglück über die Koopa Troopas bringen werden. Er beschließt, es nicht so weit kommen zu lassen, und greift den Klapperstorch an, um Mario und Luigi noch vor ihrer Geburt aus dem Weg zu räumen. Doch glücklicherweise erwischt Kamek nur Luigi, während Mario nach unten stürzt und direkt auf dem Rücken eines Yoshi landet. Die Yoshis beschließen daraufhin, zusammen mit Baby Mario zu Kameks Schloss vorzudringen und Baby Luigi zu befreien, damit die beiden jungen Helden ihr vorbestimmten Weg gehen können.

Kurz nach dem Release von "Yoshi's Island" war Kamek auch als Fahrer für "Mario Kart 64" vorgesehen, wurde dann aber vor Release noch durch Donkey Kong ersetzt. Nichtsdestotrotz erhält Kamek bis heute immer wieder neue Auftritte in den Mario-Spielen, meist als Handlanger von Bowser.

Kamek gab es noch nicht, als der Film "Joy Stick Heroes" herauskam. Dieser trashige Road Movie für Kinder ist unter Nintendo-Fans deshalb bekannt, weil er von der Reise dreier Kids zu einem Videogame-Turnier in Kalifornien erzählt. Die Finalszene spielt auf eben diesem Turnier, wobei "Super Mario Bros. 3" gezockt wird. Oft wird der Film sogar als überlanger Werbespot für "Super Mario Bros. 3" bezeichnet. Und was hat das jetzt mit Zauberern zu tun? Nun, im englischen Original trägt der Film den Titel "The Wizard". Damit ist Jimmys überdurchschnittliches Talent für Videospiele gemeint - auch in der deutschen Synchro gibt ein erstaunter Gegner einmal den Satz "Er ist ein Zauberer" von sich.

Tatsächlich ein Zauberer ist Merlin aus der englischen Mythologie, der vor allem durch die König-Artus-Sage bekannt wurde. Auch er wurde bereits ein Videospiel-Held, wenn auch zunächst nicht bei Nintendo. Merlin ist nämlich in dem Arcade-Klassiker "Gauntlet" aus dem Jahr 1985 eine von vier spielbaren Figuren neben dem Krieger Thor, der Walküre Thyra und dem Elf Questor. Allein oder mit bis zu drei menschlichen Mitspieler schlüpft ihr in die Rollen dieser vier Helden und müsst versuchen, den Ausgang eines Dungeons zu finden, bevor eure Gesundheitspunkte verbraucht sind - und die sinken ohnehin von Sekunde zu Sekunde. Durch Gegner verursachte Treffer beschleunigen diesen Prozess freilich nochmal um ein Vielfaches. Die Gesundheitspunkte können aber wieder aufgefrischt werden, indem man Geld nachwirft - ein durchdachter Schachzug von den Entwicklern!


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