NFC-FIGUREN

NFC-Figuren sind ein Trend jüngerer Zeit. In bislang drei großen Franchises, wobei ein viertes gerade in den Startlöchern steht, haben die Zocker die Möglichkeit, zusätzlich zum eigentlichen Spiel auch die Figuren zu kaufen. Diese lassen sich dann ins Spiel einlesen und erfüllen dort eine mehr oder minder große Funktion. Der Nachteil ist, dass der Spielspaß dadurch teurer wird, denn die Extra-Figuren kosten freilich auch gutes Geld. Der Vorteil ist jedoch, dass sich die Figuren auch unabhängig von ihrem Heimatspiel einfach gut im Regal machen. Ich beispielsweise habe bereits ein ganzes Regalbrett voller Amiibo, von denen über die Hälfte die Wii U noch nicht von innen gesehen hat.

NFC steht für "Near Field Communication". Diesen Begriff gibt es nicht nur im Zusammenhang mit den Figuren, sondern überall dort, wo ein Chip an einen Empfänger gehalten werden muss - also etwa auch, wenn man mittels Magnetkarte eine Tür öffnet.

Der erste Entwickler, der dieses Prinzip für Videogames entdeckte, war Activision mit "Skylander". Ursprünglich als Spin-Off von "Spyro" entwickelt, erschien der erste Teil, "Skylanders - Spyro's Adventure", am 14. Oktober 2011 für Nintendo DS, Wii und ein paar Konkurrenzkonsolen. Zusammen mit dem Spiel wurde auch das so genannte Portal of Power als NFC-Reader ausgeliefert. Dieses ermöglicht es, die kleinen Drachen, die es zum Nachkaufen gibt, ins Spiel einzulesen, um mit ihrer Hilfe das Skyland vor der Zerstörung durch Kaos zu bewahren. Dabei haben die einzelnen Skylanders unterschiedliche Elemente, durch die sie auch unterschiedliche Erfolgaussichten in den einzelnen Leveln haben. Auch der kleine lila Drache Spyro, der bereits seit 1998 Held einer eigenen Videospielreihe war, ist selbst ein Skylander - er gehört dem Magie-Element an.

Bis jetzt sind, neben ein paar Spin-Offs, vier Hauptteile der Reihe erschienen - jedes Jahr einer. Der fünfte Teil, "Skylanders: SuperChargers", folgt am 25. September 2015 und bietet speziell auf den Nintendo-Konsolen die Besonderheit, dass auch Bowser und Donkey Kong mitmischen. Die entsprechenden Figuren werden Hybriden sein, die sowohl vom Portal of Power erkannt werden, als auch herkömmliche Amiibo-Funktionen bieten, sich also beispielsweise in "Super Smash Bros." trainieren lassen. Aber so weit sind wir noch nicht ...

Denn vor Nintendo kupferte zuerst Disney das Prinzip ab: Das erste "Disney Inifinity" erschien am 23. August 2013 und verwendet eine ähnliche Grundtechnik wie "Skylanders", hat aber - das ist der erste große Unterschied - keine Story. Stattdessen versteht sich "Disney Infinity" als Sandbox-Spiel, in dem ihr mit euren Figuren tun und lassen könnt, was ihr wollte. Wer dennoch das eine oder andere kleine Abenteuer erleben möchte, der kauft ein Playset, das ein kurzer Action-Adventure für die entsprechenden Figuren freischaltet. Doch das ist nur eine kleine Zugabe, das Kernstück des Spiel ist der Toy Box-Modus: Hier könnt ihr euer eigenes Disneyland aufbauen und es mit zugekauften Figuren dann selbst erleben.

Mich persönlich hat "Disney Infinity" nie so richtig interessiert. Das dürfte großteils daran liegen, dass mir die enthaltenen Franchises einfach zu neu waren, mein Herz schlägt eher für die alten Zeichentrick-Klassiker. Natürlich gibt es auch Micky Maus und Donald Duck als Figuren, aber der Schwerpunkt liegt auf "Fluch der Karibik", "Guardians of the Galaxy" und Co. - was zwar keine schlechten Filme sind, aber für mich persönlich nicht gut genug, um viel Geld in eine große Figurensammlung zu stecken.

Ganz anders sieht's bei Amiibo aus, wenngleich ich auch hier eher zögerlich angefangen habe. Amiibo sind die NFC-Figuren von Nintendo. Die ersten von ihnen erschienen am 28.11.2014, wobei sie anfänglich ausschließlich mit "Super Smash Bros. für Wii U" kompatibel waren. Dort könnt ihr einen Amiibo als Computergegner ins Spiel holen - je öfter ihr ihn mitkämpfen lasst, desto mehr lernt er, was auch einschließt, dass er sich von euch bestimmte Techniken abguckt. Dabei kann so ein Amiibo, wenn ihr ihn richtig trainiert, echt stark werden: Bekannt wurde vor allem die Geschichte eines Fox-Amiibo, der als Dummy an einem Turnier in den USA teilnahm und es letzten Endes bis in Halbfinale schaffte.

Der große Vorteil an den Amiibo ist, dass sie, im Gegensatz zu den NFC-Figuren anderer Spiele, gar nicht nötig sind. Ihr könnt "Super Smash Bros." und andere Amiibo-kompatible Spiele auch gänzlich ohne Amiibo spielen und trotzdem euren Spaß dabei haben. Und wenn ihr dann doch den einen oder anderen Amiibo gekauft habt, dann ist er mit mehreren Spielen kompatibel: Genau die selbe Figur, die ihr in "Super Smash Bros." trainiert, schaltet euch auch ein Kostüm im "Mario Kart 8" frei oder überreicht euch ein Item in "Hyrule Warriors". Klar gibt's auch Amiibo, die speziell auf ein einziges Spiel zugeschnitten sind, etwa "Splatoon", aber im Großen und Ganzen sind die Amiibo-Spiele problemlos untereinander kompatibel. Und im Oktober erscheint, zusammen mit "Animal Crossing: Happy Home Designer", auch endlich der angekündigte NFC-Reader für den Nintendo 3DS.

Eher unbekannt ist die Tatsache, dass die Amiibo nicht Nintendos erste NFC-Figuren-Reihe sind. Zusammen mit dem Download-Titel "Pokémon Rumble U" erschienen bereits im April 2013 ein paar kleine, kantige Pokémon-Figürchen, die sich ins Spiel einlesen lassen. Mein persönlicher Eindruck ist, dass die Pokémon-Figuren die NFC-Schnittstelle des Wii U-Gamepad testen sollten. In Deutschland hat man davon aber wenig mitbekommen, da die Figuren im Gegensatz zum eigentlichen Spiel nicht bei uns erschienen sind - in Europa waren sie lediglich aus England zu bekommen. Die deutsche Version des Spiels bietet aber den Menüpunkt "NFC-Figur" und akzeptiert alle ausländischen Figuren, so dass dem großen Import nichts im Wege stand. Dennoch kann man "Pokémon Rumble U" wohl nicht als große NFC-Figuren-Marke mitzählen.

Die tatsächliche vierte große Marke kommt dagegen am 29. September 2015 für Wii U, Playstation 3 und 4 sowie X-Box One und X-Box 360 und verbindet die NFC-Technik mit fröhlichem Lego-Bauen - die Rede ist von "Lego Dimensions"! Hier müsst ihr euch nämlich sowohl euer Portal, das Lego Gateway, als auch die einzelnen Figuren selbst aus Lego-Steinen zusammenbauen, und sie auch im Lauf des Spiels mehrfach umbauen. Dabei soll es mit den im Starter Set mitgelieferten Figuren - Batman, Gandalf aus "Der Herr der Ringe" und Wyldstyle aus dem "Lego Movie" - bereits möglich sein, den kompletten Story-Modus uneingeschränkt durchzuspielen. Zusätzliche Packungen spendieren euch aber weitere Spielfiguren, Fahrzeuge und sogar neue Level. Dabei soll nach und nach ein gigantisches Crossover mit unzähligen Franchises entstehen - was auch gut zur Hindergrundgeschichte passt, welche erzählt, dass der verrückte Lord Vortech sämtliche Lego-Welten miteinander verschmelzen und so ins Chaos stürzen will. So könnt ihr etwa Homer Simpson, Marty McFly aus "Zurück in die Zukunft" oder Dr. Who ins Spiel holen. Die größte Überraschung - und auch der Grund, warum ich auf einmal ganz heiß auf der Spiel bin - ist aber, dass es auch ein Level Pack zu "Portal" gibt. Darin enthalten ist neben einem Begleiterkubus und einem Geschützturm auch eine Lego-Version der Portal-Heldin Chell samt in-game funktionstüchtiger Portal Gun. Zudem schaltet euch das Päckchen eine waschechte Aperture-Teststrecke als zusätzlichen Level frei, die ihr dann entweder mit Chell oder mit jeder beliebigen anderen Figur lösen dürft. Ein Trailer zeigt bereits, wie Batman und Gandalf auf die Kommentare von GLaDOS reagieren könnten, und ein anderer Trailer, der Dr. Who und Homer Simpsons in einer Art Coop-Teststrecke zeigt, macht definitiv Appetit auf mehr.

Wenn das Spiel selbst nur halb so gut ist, wie ich es mir von den Trailern her ausmale, dann werde ich sicher viel Spaß daran haben, aber ein eigenständiges Review mit abschließender Meinung folgt dann freilich erst nach Release. Dann erfahrt ihr auch, ob sich der verdammt hohe Preis lohnt - aber das ist kein alleiniges Problem von "Lego Dimensions", auch die anderen NFC-Spiele sind überdurchschnittlich teuer. Das liegt eben daran, dass die Figuren und Portale auch ihre Herstellungskosten haben. Ob euch das ungewöhnliche Spielerlebnis zuzüglich einiger netter Figuren fürs Regal den Preis wert ist, müsst ihr für euch selbst entscheiden.


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