LEGO DIMENSIONS

Lego-Spiele gab es schon sehr viele. Wirklich interessiert hat mich davon bislang keins so wirklich - ich habe zwar als Kind gern mit den bunten Steinchen gespielt, aber in Videospiel-Form hatten sie mich nicht so wirklich angesprochen. Keine Ahnung, ob das am Gameplay, an der Optik oder an sonst etwas lag! Mit "Lego Dimensions" sollte diese unerklärbare Ignoranz allerdings ein Ende finden - Grund ist eine waschechte Aperture Science-Teststrecke, die ihr im Spielverlauf lösen müsst und die mich als alten Portal-Fan sofort überzeugt hat, das Spiel vorzubestellen. Inzwischen muss ich aber sagen, dass sich das Spiel auch ohne "Portal" absolut gelohnt hätte - vielleicht sind Lego-Spiele also doch nicht so schlecht!

"Lego Dimensions" springt nach "Skylanders", "Disney Infinity" und den Amiibos auch auf den NFC-Figuren-Zug auf. Die Stärke ist dabei, dass viele starke Franchises geschickt genutzt und miteinander kombiniert werden - da ich ohnehin ein großer Freund von Crossovers bin, spricht mich diese Tatsache schon einmal sehr an. Zwar baut auch "Disney Infinity" auf beliebte Themen wie "Fluch der Karibik", "Marvel Superheroes" oder "Star Wars", jedoch fehlt dort unverständlicherweise die Möglichkeit, Crossovers entstehen zu lassen und z.B. Captain Jack Sparrow auf den Todesstern zu schicken. In "Super Smash Bros. für Wii U", dem ersten Amiibo-Spiel, könnt ihr zwar durchaus Link, Pikachu und Kirby im Pilz-Königreich aufeinander loslassen, allerdings benötigt ihr dazu nicht zwingend die Amiibos - diese sind nur eine kleine, durchaus nette, aber nicht zwingend notwendige Zugabe, so dass bei Nintendo der NFC-Aspekt nicht 100 % vorhanden ist. "Lego Dimensions" kombiniert nun Crossover mit NFC-Aspekt und fügt als drittes Spielelement auch noch das klassische Lego-Bauen ein - das, was Lego ja eigentlich ausmacht! Der NFC-Reader, in diesem Fall ein Dimensionstor, liegt nämlich nicht fix und fertig ist der Packung, sondern muss zu Beginn des Spiels erstmal selbst aus Legosteinchen zusammen gepuzzlet werden. Kleiner Tipp: Der Spiel benötigt auch ein gut 2 GB großes Update, bevor es losgehen kann. Am besten lasst ihr dieses schon mal im Hintergrund runterladen, während ihr das Tor zusammenbaut - dann müsst ihr nicht wie Chiko zwanzig Minuten lang vor dem fertigen Tor sitzen und Däumchen drehen.

Die Story erzählt, dass der böse Lord Vortech das Lego-Multiversum ins Chaos stürzen möchte. Dazu benötigt er die Foundation Elements, wobei es sich um jeweils ein elementares Story-Element aus jedem teilnehmenden Franchise handelt, etwa der Ring aus "Herr der Ringe", Käpt'n Metallbarts Schatztruhe aus dem "Lego Movie" oder auch der Kuchen aus "Portal". Um an diese Elemente heranzukommen, rekrutiert Lord Vortech die großen Bösewichte jeder Welt, damit sie ihm das Zeug bringen. Batman, Gandalf und Wyldstyle bekommen allerdings mit, dass etwas nicht stimmt, stürzen sich geistesgegenwärtig jeweils in einen Dimensionsriss, der sich in ihrer jeweiligen Heimat aufgetan hat und treffen sich in der Hub-Welt Vorton direkt vor dem mysteriösen Dimensionstor wieder. Klar, dass die drei sich verbünden, um gemeinsam alles wieder ins Lot zu bringen!

Etwa die erste Hälfte des Spiels besteht nun darin, durch verschiedene Lego-Welten zu reisen und jeweils einen Schlüsselstein zu finden, welcher euch eine neue Fähigkeit verleiht. So könnt ihr mit Hilfe der Schlüsselsteine etwa Farbrätsel aktivieren, die Elemente kontrollieren, eure Größe ändern oder versteckte Dimensionsrisse aufspüren. Ein kleines, aber witziges Detail ist dabei, dass ihr all diese Schlüsselsteine auch nach und nach an eurem echten Lego-Dimensionstor anbringen müsst - gut, ihr MÜSST nicht zwingend, da das Spiel nicht kontrollieren kann, ob und wann ihr die Steine ans Tor hängt, aber gerade durch solche kleinen Umbaumaßnahmen kommt die Lego-Atmosphäre erst so richtig zu Geltung. Am Anfang werdet ihr noch behutsam in den richtigen Gebrauch der Schlüsselsteine eingeführt, später bietet euch das Spiel aber immer mehrere Schlüsselsteine an und es beginnt schon damit, dass ihr selbst entscheiden müsst, welcher in der momentanen Situation wohl der richtige wäre. Die Schlüsselsteine sind dabei das zentrale Spielelement von "Lego Dimensions". Um sie herum erwartet euch ansonsten ein solides Action-Adventure, in dem ihr Kisten zertrümmert, kleinere Sprungeinlagen bewältigt und heran stürmende Feinde standesgemäß begrüßt.

Allein mit dem Starter Pack ist es bereits möglich, die Hauptstory durchzuspielen und bis zum Ending zu gelangen. Wer danach aber noch nicht genug von dem Spiel hat, der kann sich die zahlreichen Erweiterungspäckchen dazu kaufen. Am interessantesten dürften dabei die Level Packs sein. Sie bringen nicht nur eine neue Spielfigur samt zweier Items mit, sondern schalten auch einen neuen Level abseits der Hauptstory frei, der noch einmal eine ordentliche Ladung Spielspaß verspricht. Die kleinen Fun Packs liegen preislich etwa auf Amiibo-Niveau und bieten auch so ziemlich das gleiche: Eine neue Figur nebst Item, die ihr zur Unterstützung ins Spiel rufen könnt. Die Team Packs schließlich sind quasi Fun Packs im Doppelpack mit zwei thematisch verwandten Figuren und zwei Items. Dabei sorgen auch die Figuren, die kein Level Pack mitbringen, für zusätzlichen Spielspaß, da jede Figur bestimmte Fähigkeiten einbringt, die ihr nutzen könnt, um zusätzliche Secrets im Verlauf der Hauptstory zu entdecken. Chell beispielsweise hat eine Portal Gun, die es euch ermöglicht, an bestimmten Wänden echte Portale zu erschaffen. Homer Simpson hingegen genehmigt sich einen Schluck Duff und rülpst anschließend brüchige Scheiben kaputt. Wirklich 100 % alles vom Spiel seht ihr also nur, wenn ihr tief in die Tasche greift und euch viele, viele zusätzliche Figuren nachkauft. Wem es hingegen nur um das reine Durchspielen bis zum Ending geht, der braucht nichts weiter als das Starter Pack - gut gelöst! So kann jeder selbst entscheiden, ob und wie viel zusätzliches Geld er ausgeben möchte. Natürlich könnten Meckerfritzen immer noch anmerken, dass man sich den Kauf auch komplett sparen könnte, wenn es möglich wäre, neue Figuren einfach in-game durch das Erfüllen bestimmter Bedingungen freizuschalten - aber es gehört bei einem NFC-Spiel eben dazu, Figuren nachzukaufen, und das muss man wissen und akzeptieren, wenn man sich auf so ein NFC-Spiel einlässt.

Lohnt sich also "Lego Dimensions"? Wenn ihr beim Anblick von Lego-Optik nicht schreiend weglauft, dann definitiv ja! Das Spiel kombiniert die Stärken von "Disney Infinity" und den Amiibos und wirft dabei die jeweiligen Nachteile über Bord. Insgesamt vierzehn große Franchises werden zu einem gewaltigen Crossover zusammen gemischt - noch gar nicht im Text erwähnt haben wir beispielsweise "Zurück in die Zukunft", "Ghostbusters" und "Doctor Who", die alle ebenfalls dabei sind. All die Helden als kleine Lego-Figuren im Regal stehen zu haben, ist auch unabhängig vom Spiel ein schöner Anblick, sofern man generell etwas mit Lego anfangen kann. Da "Lego Dimensions" aber tatsächlich auch spielerisch etwas taugt, würde ich definitiv eine Empfehlung aussprechen. Also rettet das Lego-Multiversum vor dem totalen Chaos!

Ach so, und fast vergessen: Entwickelt wurde "Lego Dimensions" von Traveller's Tales, die nicht nur einen Großteil der früheren Lego-Spiele hervorgebracht haben, sondern die auch in den 90er Jahren an "Sonic 3D Blast" und "Sonic R" mitgewirkt haben, außerdem kennen Super Nintendo-Spieler sie für das gute alte Micky Maus-Jump'n'Run "Mickey Mania". Erschienen ist "Lego Dimensions" für Playstation 3 und 4, X-Box 360, X-Box One und Wii U: In den USA am 27. September 2015, im Großteil von Europa am 29. September, speziell bei uns in Deutschland erst am 1. Oktober. Damit sind wir aber immer noch schneller als die Japaner, bei denen das Spiel bislang noch gar nicht angekündigt ist.


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