SCHLANGEN IN VIDEOSPIELEN

Schlangen sind falsche Biester. Man sagt ihnen nach, dass man ihnen nicht trauen kann. Schon die alten Indianer sagten "der redet mit gespaltener Zunge", wenn sie meinten, dass jemand lügt - damit spielten sie auf die gespaltene Zunge der Schlangen an. Das Ganze geht bis in biblische Zeiten zurück: Gott verbot Adam und Eva, die Äpfel vom Baum der Erkenntnis zu essen, und es war ausgerechnet die Schlange, die sie dazu verleitete, doch von den Äpfeln zu kosten.

Nun aber von den wirklich biblischen Zeiten zu den Anfängen der Videospiel-Geschichte: Zu den absoluten Klassikern zählt "Snake". Hier steuert ihr eine Schlange durch einen Raum voller Hindernisse und müsste bestimmte Dinge fressen. Das Problem dabei ist, dass ihr immer länger werdet, je mehr ihr verspeist - und ihr verliert nicht nur ein Leben, wenn ihr an ein Hindernis stosst, sondern auch, wenn ihr euch selbst in den Hinterleib beisst. Die erste Version von "Snake" erschien 1976 unter dem Namen "Blockade", heute gibt es über 300 Varianten auf allen möglichen Konsolen.

Natürlich müssen die Schlangen-Pokémon Rettan und Arbok in diesem Special ganz vorne mit dabei sein. Im Spiel sind diese beiden Gift-Pokémon nicht groß nennenswert. Rettan findet ihr ausschließlich in der roten Edition, vorwiegend auf den Routen rund um Azuria City, auf Level 22 entwickelt es sich zu Arbok. Die Besonderheit an ihren Namen ist, dass sie rückwärts gelesen werden können, dann wird Rettan zu einer Natter und Arbok zu einer Kobra. Groß wurden die Schlangen-Pokémon vor allem im Anime: Jessie von Team Rocket hat von Anhang an ein Rettan an ihrer Seite, das einst ein Geburtstagsgeschenk war. In der Mitte der ersten Staffel entwickelt es sich zeitgleich mit James' Smogon weiter und bleibt als Arbok bis zur sechsten Staffel fest im Jessies Team. Erst in Hoenn lassen Jessie und James ihre beiden Stamm-Pokémon unter Tränen frei, damit sie eine Ansammlung von wilden Rettans und Smogons vor einem Wilderer beschützen können. Kurz darauf fängt Jessie dann aber auch schon ein Vipitis, ein neues Schlangen-Pokémon aus Hoenn.

In vielen Spielen dienen Schlangen als bedrohliche Endbosse. Bedingt durch die Filmvorlage, muss hier besonders "Aladdin" erwähnt werden, welches 1993 für das Super Nintendo erschien und von Capcom nach dem gleichnamigen Disney-Film entwickelt wurde. Ihr hüpft durch bunte Jump'n'Run-Level und erlebt dabei die Geschichte des Films noch einmal neu. Ja, und wer den Film kennt, der weiß, dass sich der böse Zauberer Dschaffar am Ende in eine Schlange verwandelt. Auch das wurde ins Spiel übernommen, die Schlange ist hier der finale Endboss.

Auch in anderen Comic-Spielen dienen Schlangen als Endgegner, so gibt es in Capcoms Micky Maus-Jump'n'Run "The Magical Quest" etwa die heimtückische Schlange. Und in dem viel zu schweren Super Nintendo-Jump'n'Run "Die Schlümpfe" von Infogrames erwartet euch im Sumpf ebenfalls eine Schlange als Endgegner. Sie schlängelt sich um Baumstämme und braucht drei gezielte Sprünge auf den Kopf, bevor sie den Brillenschlumpf Schlaubi freigibt.

Aber nicht nur in Comic-Spielen, sondern auch in normalen Jump'n'Run-Klassikern bekommt ihr es mit Schlangen zu tun, als großes Beispiel sei hier "Mega Man 3" erwähnt. Der größte Teil des Snake Man-Levelns macht bereits den Eindruck, als würde er komplett aus dem Körper einer Riesenschlange bestehen, und hin und wieder gucken kleine Schlangenköpfe aus dem Boden, um euch mit Gift zu bespucken. Als großer Zwischenboss begrüßt euch schließlich mehrmals die Riesenschlange Big Snakey, die viel mehr Gift und Galle spuckt als ihre kleineren Artgenossen, und die drei gezielte Kopfschüsse braucht, bevor sie den Weg freigibt.

Selbst die Schlange seid ihr in dem NES-Klassiker "Snake Rattle'n'Roll", der von keiner anderen Firma als Rare entwickelt wurde und im Jahr 1990 erschien. Ihr steuert die beiden Schlangen Rattle und Roll und müsst auf eurem Weg durch die Level genug "Nibble Pibbleys" fressen, damit ihr am Ende schwer genug seid, um den Schalter zu betätigen, der den Ausgang öffnet. Das Spiel ist ein 3D-Jump'n'Run in isometrischer Ansicht von schräg oben, was für NES-Zeiten eine echte Besonderheit war.

Natürlich darf auch Solid Snake nicht vergessen werden, der Held aus der "Metal Gear Solid"-Reihe, der auch als Kämpfer in "Super Smash Bros. Brawl" mitmischen durfte. Er ist keine echte Schlange und Solid Snake ist nicht einmal sein echter Name, in Wirklichkeit heißt er nämlich David. Sein Codename lautet allerdings Snake, weil Schlangen die Lebewesen sind, die sich am besten verstecken und lautlos fortbewegen können, das erklärte Entwickler Hideo Kojima einmal auf Twitter.

Und dann müssen wir letztlich auch noch Indiana Jones erwähnen: Der berühmte Archäologe mit Peitsche und Schlapphut war ursprünglich Kinoheld in Steven Spielbergs Meisterwerk "Jäger des verlorenen Schatzes", welches 1982 mit vier Oscars für Szenenbild, visuelle Effekte, Schnitt und Ton ausgezeichnet wurde. Später gab es mehrere Nachfolger und natürlich auch eine Menge Versoftungen. Und ein wichtiger Charakterzug von Indiana Jones ist seine panische Angst vor Schlangen! Daher passt es wie die Faust aufs Auge, dass Indy in seinen Abenteuern immer wieder in irgendwelchen Schlangengruben landet. Um es mit Indys Worten zu sagen: "Igitt, ich hasse Schlangen!"


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