FANTASY LIFE

Die Spiele von Level-5 haben die Angewohnheit, ein bisschen länger zu brauen, bis sie im Westen ankommen. So war es bereits bei "Professor Layton" und bei "Inazuma Eleven", und so ist es auch "Fantasy Life" ergangen: In Japan wurde das Spiel bereits am 27. Dezember 2012 veröffentlich, der Europa-Release hingegen folgte erst am 26. September 2014. Aber besser spät als nie!

"Fantasy Life" ist eine neuartige Mischung aus Lebenssimulation und Rollenspiel, wobei der Lebenssimulation-Anteil ein wenig überwiegt. Wer keine Vorstellung von "Fantasy Life" hat, der stellt sich am besten ein "Animal Crossing" mit der Spielmechanik eines "The Legend of Zelda" vor, dann habt ihr ein recht genaues Bild von dem Spiel.

Zu Beginn von "Fantasy Life" gilt es, wie bei vielen Rollenspielen üblich, den eigenen Charakter zu erstellen. Das schliesst nicht nur das Aussehen ein, sondern auch die erste Berufswahl. Insgesamt existieren nämlich zwölf Jobs (im Spiel als "Leben" bezeichnet), die ihr erlernen und ausüben könnt. Die Berufe teilen sich grob in drei Kategorien: Bei den Sammelberufen seid ihr in der Spielwelt unterwegs, um dies, das und jenes zusammen zu tragen - als Holzfäller etwas Baumstämme, als Schürfer das abgebaute Erz. Übt ihr einen Produktionsberuf aus, verbringt ihr mehr Zeit im heimischen Städtchen und stellt an der Werkbank Waffen, Werkzeuge, Möbel, Kleidung oder auch Nahrung her - die Produktion verläuft in Form von kleinen Minispielen, die nebenbei auch zur Rekordjagd einladen. Das dritte schliesslich sind die Kämpferberufen. Sie repräsentieren das, was man am ehesten unter einem Rollenspiel versteht: Ob als Paladin, Söldner oder Magier - mit Schwert oder Zauberstab bewaffnet streift ihr durch die Lande, stellt euch Monstern gegenüber und erkunden auch noch den dunkelsten Dungeon. Wichtig ist dabei zu wissen, dass ihr euren Beruf fast jederzeit ändern könnt, dabei aber die bereits erlernten Fähigkeiten beibehalten. So kann ein Holzfäller, der in einem früheren Leben ein Magier war, durchaus den Zauberstab schwingen, wenn ihr beim Bäume fällen plötzlich von einem Waldgeist überrascht wird. Einige Berufe sind auch durchaus dazu gedacht, ineinander zu greifen. Als Schmied könnt ihr etwas hervorragend das Erz verarbeitet, das ihr zuvor als Schürfer abgebaut habt - und mit den frisch geschmiedeten Waffen zieht ihr dann als Paladin in den Kampf gegen den nächsten Drachen.

Was die Möglichkeiten der zwölf Berufe betrifft, ist "Fantasy Life" nahezu grenzenlos. Von der Story kann man das nicht unbedingt behaupten: Sie wird eher beiläufig erzählt, zeichnet sich nicht gerade durch Originalität aus und handelt im Grunde von einem geheimnisvollen Meteorit, dem so genannten Verdammnisstein, der die Monster aggressiver macht. Weltbewegend ist die Geschichte wirklich nicht, aber sie führt immerhin als roter Faden durch die Spielwelt - das gab es bei "Animal Crossing" nicht!

Wenn ihr euch nicht gerade an der Story entlang hangelt, dann könnt ihr frei durch die Spielwelt Reveria ziehen und verschiedene Aufträge ausführen - das wird häufig der Fall sein. Dabei teilen sich auch die Aufträge in drei Kategorien. Die Story-relevanten Quests erhaltet ihr von eurem Lehrmeister, für die Erfüllung gibt es Erfahrungspunkte, die euch im Spiel voran bringen. Wonne-Aufträge erhaltet ihr von Flatterling, einem kleinen Schmetterling, der sich früh im Spiel bei euch einnistet. Er verlangt von euch häufig, einen bestimmten Ort aufzusuchen, wofür es dann Wonne-Punkte gibt - habt ihr genau Wonne gesammelt, könnt ihr diese gegen ein lebensversüssendes Privileg eintauschen, etwa die Möglichkeit, ein Haustier zu halten, auf einem Pferd zu reiten oder in eurem Zimmer Musik zu hören. Als drittes gibt es schliesslich die Aufträge der Bewohner, die von euch häufig verlangen, dies und jenes zu beschaffen, als Belohnung winken Geld und seltene Items.

Wer sich ausschliesslich auf die Story konzentriert, der ist mit "Fantasy Life" nicht allzu lange beschäftigt, der hat aber auch den Sinn des Spiels nicht ganz verstanden. Es tut nicht weh, zwischendurch mal auf freie Erkundungstour zu gehen, ein paar Nebenaufträge zu erfüllen, sein Zimmer neu einzurichten oder bei Sonnenuntergang über die Grasebene zu galoppieren - das alles macht ein phantastisches Leben aus!

Entwickelt wurde "Fantasy Life", wie gesagt, von Level-5, den kreativen Köpfen hinter "Professor Layton", "Inazuma Eleven", "Youkai Watch" und "Ni no Kuni". Co-Entwickler waren die Jungs von Brownie Brown, die schon einmal mit Level-5 zusammen arbeiteten: Für "Professor Layton und der Ruf des Phantoms" entwickelten sie das Bonus-Rollenspiel "Layton's London Life", das leider in der westlichen Version entfernt wurde. Ebenfalls Rollenspiel-Erfahrung sammelten sie mit "Mother 3" für den Gameboy Advance, inzwischen haben sie sich aber zu 1-UP Studio umbenannten und arbeiteten unter diesem Namen an "Super Mario 3D World" und "Captain Toad" mit.

In Japan erschien "Fantasy Life", wie bereits erwähnt, Ende Dezember 2012. Ein gutes halbes Jahr später, am 25. Juli 2013, folgte ein Re-Release unter dem Titel "Fantasy Life Link!", der einen Online-Modus, eine Screenshot-Funktion und ein Handvoll neuer Quest hinzufügte. Unsere westliche Veröffentlichung entspricht von Anfang an beinahe dem japanischen "Fantasy Life Link!", mit einer Ausnahme: Der "Origin Island"-DLC muss noch separat nachgekauft werden. Dieser kann aber ohnehin erst gespielt werden, wenn euer Charakter den höchsten Level erreicht hat - somit richtet sich der DLC also an Spieler, die bereits alles gesehen haben und immer noch mehr wollen, und die geben dann auch gern ein bisschen Geld für den zusätzlichen Spielspass aus, so Nintendos Rechnung.

Doch auch im Hauptspiel lässt sich ein beschauliches Phantasie-Leben leben. Von einigen Anime-Zwischensequenzen abgesehen, ist die Grafik zwar nicht überragend, aber doch ansehnlich. Die Musik hingegen lässt sich durchaus hören, stammt sie doch von Nobuo Uematsu, den man vor allem für seine Melodien zu "Final Fantasy" kennt. In "Fantasy Life" kann man wirklich die Zeit vergessen, und das gleich zwölf Mal!


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