PIXELS

Mit "Pixels" ist seit Ende letzten Monats ein neuer Film für Gamer im Kino: Deutschland-Start der rund 100 Minuten langen Science-Fiction-Komödie war der 30. Juli 2015, in den USA lief er knapp eine Woche früher an. Und rein vom Thema her scheint es sich für all diejenigen, die die Videogames der 80er Jahre lieben, um den Film des Jahres zu handeln - wozu auch große Titel wie "Pac-Man" und "Donkey Kong" gehören.

Wir schreiben das Jahr 1982, und ein paar Kinder nehmen an der erste Videogame-Weltmeisterschaft teil. Die NASA hat die ausgefallene Idee, die Videoaufzeichnungen der Spiele ins Weltall zu senden, als Botschaft an Außerirdische - weiß der Teufel, was sie sich davon versprechen! Wie auch immer, jedenfalls kommt die Nachricht tatsächlich bei Aliens an. Die missverstehen nur leider die Botschaft als Kriegserklärung - was sollten sie auch sonst in Videos hinein interpretieren, auf denen zu sehen ist, wie Raumschiffe abgeschossen werden, eine gelbe Kugel alles auffrisst und ein Riesenaffe herum wütet? In der Gegenwart sind sie nun so weit, auf ihre Art zu antworten: Die Elemente aus den Videospielen von damals werden in materialisierter Form zurück zu Erde gesendet, um die Weltbevölkerung zu einem Spiel um das Schicksal das Planeten herauszufordern. US-Präsident Cooper, der damals selbst ein Gamer war, trommelt daraufhin - wenn auch etwas zögerlich und anfänglich auch leicht unfreiwillig - die Finalisten der Meisterschaft von 1982 zusammen: Sie sollen das Spiel gegen die Außerirdischen aufnehmen!

Die Idee, Elemente aus klassischen Videogames in eine Science-Fiction-Komödie zu verpacken, könnte eigentlich jedem Gamer das Herz hüpfen lassen. Mir selbst hat der Film auch tatsächlich gefallen, wenngleich ich ihn nicht als den besten Film aller Zeiten ansehen würde - sehenswert ist er für einen Gamer allemal! Optisch besonders gelungen fand ich die Umsetzung von "Pac-Man" als Autorennen quer durch die Straßen von New York. Sachlich betrachtet muss man aber doch zugeben, dass die Story ein wenig an den Haaren herbei gezogen ist. Natürlich muss ein Videogame-Film nicht immer von vorne bis hinten logisch sein, das würde auch irgendwo den Spaß nehmen, aber ein weiteres Manko sind auch offensichtliche Umsetzungsfehler. Zwar wurde ein bekannter Programmierfehler in "Galaga" auf geschickte Weise in den Film eingearbeitet, das kann aber nicht über den Logikfehler hinweg täuschen, dass Donkey Kong am Ende besiegt wird, indem der Held ihm einfach einen Hammer ins Gesicht pfeffert. Das ist so im Spiel nicht einmal ansatzweise möglich, und wenn dieser Lösungsweg im Film als der einzig Richtige dargestellt wird, dann dreht sich jemandem, der das Spiel liebt, doch ein wenig der Magen um.

Vielleicht liegt an solchen Mankos, dass der Film so überwiegend negative Kritiken bekam. Der erste Trailer legte zwar im März einen Rekordstart mit 34,3 Millionen Views in nur 24 Stunden hin, aber ein Metascore von nur 27 % wendet das Blatt dann doch recht schnell ins Negative. Ein negativer Punkt ist außerdem, dass anstatt den passenden Game-Soundtracks irgendwelche unpassenden 0-8-15-Pop-Songs verwendeten wurden. Natürlich hätte die Original-Musik aus den jeweiligen Games entsprechende Lizenzgebühren gekostet, aber die Pop-Songs waren sicher auch nicht kostenlos, und die Game-Soundtracks hätten einfach besser gepasst. Gut, zu Beginn der "Donkey Kong"-Szene sind schon ein paar kurze Jingles aus dem Spiel zu hören, aber während des eigentlichen Spiels hätte ich dann viel lieber ein Stück wie das "Donkey Kong Title Theme" aus "Super Smash Bros. Brawl" gehört, und nicht Queens "We Will Rock You". Schade um die verpasste Chance!

Trotzdem stecken große Namen hinter "Pixels", und damit meinen wir nicht nur die Namen der verwendeten Games. Regisseur Chris Columbus ist kein Unbekannter, sondern eher das genaue Gegenteil: Vor allem mit "Kevin allein zu Haus", der Fortsetzung "Kevin allein in New York" und den ersten beiden "Harry Potter"-Filmen machte er sich einen Namen. Die Filmmusik schrieb Henry Jackman, der bereits mit dem Soundtrack zu "Ralph reicht's" Erfahrung mit Gaming-Movies sammeln konnte. Selbst "Pac-Man"-Erfinder Toru Iwatani spielt höchstpersönlich in den Film mit, allerdings nicht als er selbst, sondern in einem versteckten Gastauftritt als Techniker für Arcade-Automaten. Und neben den großen Hauptspielen wie "Pac-Man", "Donkey Kong" und "Centipede", sind auch viele, viele weitere bekannte Games im Film vertreten: Eine alte Dame kommt in Gestalt des Hundes aus "Duck Hunt" an ein neues Haustier, die Helden erhalten moralische Unterstützung durch den süßen kleinen Q-Bert, der für sie eine Art Maskottchen wird, riesige Tetris-Steine zerlegen die Gebäude von Washington D.C., und einmal hüpft sogar Mario persönlich durch's Bild. Kurzum: Wer sich durch solche Bilder, Gags und Cameos begeistern lässt, ohne dabei allzu viel Wert auf größeren Tiefgang zu legen, der kann bei "Pixels" seinen Spaß haben - ich hatte ihn, aber ich kann auch verstehen, dass ihn nicht alle haben werden, ganz gleich ob Gamer oder nicht. Ich persönlich würde eine Empfehlung für den Film aussprechen, ich würde ihn aber nicht in eine Liste der besten Filme aller Zeiten aufnehmen.

Übrigens basiert "Pixels" frei auf einem gleichnamigen Kurzfilm, der vor fünf Jahren im April 2010 veröffentlich wurde. Produziert von dem französischen Nachwuchs-Regisseur Patrick Jean zeigt der Film in nur zwei Minuten, wie Elemente aus Videospielen, entkommen aus einem defekten Fernseher, über die reale Welt herfallen. Auf dem International Animated Film Festival 2011 im französischen Annecy wurde "Pixels" zum besten Kurzfilm ausgezeichnet. Wer den Film noch nicht kennt, kann ihn sich auf Youtube reinziehen: https://www.youtube.com/watch?v=ou8vRWTSsJo


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