ANIMAL CROSSING: NEW LEAF

"Animal Crossing: New Leaf" für den Nintendo 3DS ist der neueste Ableger der beliebten Lebenssimulation. In Europa erschien es am 14. Juni, nur fünf Tage nach den USA, wohingegen das Spiel in Japan bereits am 8. November 2012 herauskam. Am grundlegenden Spielprinzip hat sich dabei eigentlich nicht viel geändert: Ihr zieht als neuer Bewohner in ein kleines Dorf voller Tiere ein und versucht, euch dort ein Leben aufzubauen. Neu ist nun allerdings, dass ihr nicht irgendein namenloser Bewohner seid, sondern niemand geringeres als der Bürgermeister - zumindest denken das alle aufgrund einer Verwechslung, denn ihr seid zufällig als einziger Fahrgast mit dem Zug angekommen, mit dem der neue Bürgermeister ankommen sollte. Der tatsächliche Bürgermeister hatte einfach den Zug verpasst und sich verspätet. Er sieht die Sache aber gelassen und überlässt das Amt freiwillig euch.

Auch ein Bürgermeister muss für alles bezahlen, das wird euch von Anfang an klar. Tom Nook verlangt ganz schön gesalzene Preise, um euer Haus erst auf- und später auszubauen, und auch im Laden gibt's nichts umsonst. Um Sternis in die Taschen zu bekommen, müsst ihr, wie in den vorherigen Teilen, Obst anpflanzen und die Früchte eurer Arbeit gewinnbringend verkaufen. Dennoch habt ihr dank eures Amtes jetzt auch einige neue Einflussmöglichkeiten auf das Leben in der Stadt. So könnt ihr etwa neue Objekte wie etwa Brücken in der Stadt bauen lassen - vorausgesetzt, ihr überzeugt die Bewohner, den Bau zu finanzieren, oder bezahlt ihn halt einfach selber. Ebenso könnt ihr bestimmte Verordnungen in Kraft treten lassen. Ein Beispiel hierfür ist die Nachteulen-Verordnung, bei der alle Läden länger offen haben. Das Gegenstück dazu ist die Frühaufsteher-Verordnung, bei der die Geschäfte morgen früher öffnen. Wer hingegen mit den Standart-Zeiten zufrieden ist, kann sich stattdessen für eine grüne Stadt entscheiden, in der die Bewohner mehr Blumen pflanzen und euch auch das Giessen abnehmen. Wichtig ist nur, dass niemals zwei Verodnungen gleichzeitig aktiv sein können, und dass jeder Wechseln unverschämte 20.000 Sternis kostet.

Doch das Bürgermeister-Amt ist nicht die einzige Neuerung. Eine weiteres wichtiges neues Feature ist die Minispiel-Insel, die ihr per Boot erreicht - wobei der Kapitän auf jeder Überfahrt herrlich alberne Lieder zum Besten gibt! Auf der Insel findet ihr Früchte und Insekten, die es an Land nicht oder bedeutend seltener gibt. Zudem habt ihr die Möglichkeit, Minispiele mit bis zu vier Mitspielern zu zocken. Dabei wird zwar am Ende ein Sieger verkündet, dennoch handelt es sich im Grunde um Co-op-Spiele, da ihr auf ein gemeinsames Ziel zusteuert - erreicht ihr dieses nicht, gewinnt keiner. Ihr spielt also sowohl zusammen als auch gegeneinader, und am Ende gibt's Medaillen, mit denen ihr im Insel-Shop einkaufen könnt.

Weitere Neuerungen stecken eher im Details, fallen aber positiv auf, wenn auch teilweise nur unterbewusst. Wer beispielsweise immer zu wenig Platz in der Tasche hatte, wenn er Obst gesammelt hat, der kann nun bis zu neun gleichartige Früchte zu einem Obstkorb zusammenfassen. Im Museum könnt ihr nun alle Insekten, Fische und Fossilien, die ihr spenden oder analysieren wollt, gleichzeitig abgeben, anstatt immer nur eins nach dem anderen - so spart ihr viel Schwafelzeit! Ebenso wurde auch Resetti abgeschafft, der euch immer stundenlang anschimpft, wenn ihr ausschaltet, ohne zu speichern. Wenn den durchgeknallten Maulwurf mochte, kann ihn aber auf Wunsch auch wieder reaktivieren.

Wer die vorherigen Animal Crossings kennt, der wird sich auch in "New Leaf" schnell heimisch fühlen. An den allermeisten Kanten der früheren Teile wurde aber auf die richtige Weise gefeilt, so dass man getrost sagen kann, dass es sich beim 3DS-Ableger um den bisher besten Teil der Serie handelt. Am meisten Spass habt ihr freilich auch hier, wenn ihr mit Freunden agiert, sei es nun bei Minispielen oder auch einfach nur bei gegenseitigen Besuchen. Auch Einzelspieler finden aber genug zu tun im Dorf - es ist auf jeden Fall keine verschwendete Zeit!

Dass es Animal Crossing überhaupt bis nach Europa geschafft hat, ist übrigens ein Glücksfall. Die ursprüngliche Fassung erschien in Japan unter dem Titel "Dobutsu no Mori" im Dezember 2001 für das Nintendo 64 und wurde ausserhalb Japans kaum beachtet. Die N-Zone widmete dem Spiel damals nur einen kleinen Halbseiter und vergab nicht einmal eine Wertung, liess sich dafür aber im Text darüber aus, wie weltfremd das Spiel doch sei - lieber Redakteur von damals, du hast keine Ahnung, über was du da geschrieben hast! Im Herbst 2002 kam das Spiel in den USA heraus, allerdings für den Gamecube umgerarbeitet - und von da an mussten wir immer noch zwei Jahre auf eine europäische Fassung warten, die dann am 24. September 2004 nach heftigen Fan-Protesten endlich doch noch erschien. Von da an ging es dann zum Glück schneller und zuverlässiger: Es folgte "Animal Crossing: Wild World" für den Nintendo DS, hier nun erstmals mit Online-Funktion, sowie "Animal Crossing: Let's go to the City" für die Wii, wo ihr zusätzlich zu eurem kleinen Dorf auch eine externe Stadt besuchen könnt. "New Leaf" ist somit also der vierte Teil der Serie - oder der fünfte, wenn man den japanischen und westlichen ersten Teil als zwei unterschiedliche Spiele zählt. Das kann man tun, muss man aber nicht - genauso, wie man auch die beiden Teile jeder Pokémon-Edition als ein oder zwei Spiele zählen kann. Für mich ist's nur eins, aber man kann es anders sehen.

Fakt ist aber: Wer "Animal Crossing" spielt, bekommt eine friedliche kleine Welt, in der er sich vom Alltag erholen kann. Oberflächlich betrachtet scheint das Spiel nicht viel Spieltiefe zu bieten, aber das täuscht: Je länger ihr euch mit dem Spiel beschäftigt, desto mehr Überraschungen erlebt ihr, umso öfter bekommt ihr Lust, euer virtuelles Dorf zu besuchen und euer virtuelles Leben zu leben. Und jedes Mal, wenn ein Laden ausgebaut wird oder ein neuer Bewohner ins Dorf zieht, ist das wie ein kleines Erfolgserlebnis für euch. So wird das Leben im Dorf der Tiere nie langweilig, und das, obwohl das Spiel völlig ohne jede Action auskommt. Also, worauf wartet ihr? Packt den Koffer, euer neues Haus in "Animal Crossing" wartet auf euch!


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